Übesicht

Tod im Tierheim

Veröffentlicht: 04.07.2004 um 12:35:20 Uhr
Autor: Heidrun Schulz

Ein Artikel von Heidrun Schulz.

Im Juli 2002 sprach mich in Angermünde ein Journalist an und erzählte mir von grundlosen Tötungen im Tierheim Angermünde. Dieses Tierheim wird vom Ostuckermärkischen Tierschutzverein (TSV) betrieben, der dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossen ist. Der Journalist organisierte ein Treffen mit den Zeugen (Arbeitnehmer im besagten Heim gewesen - einer der Zeugen war noch angestellt). Wir fertigten Gesprächsprotokolle an und übergaben diese der Polizei.

Einige Vereine erstatteten parallel dazu auch Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Beschuldigt wurden die Tierheimleiterin (auch Vorstandsmitglied) und die Tierärztin (Vereinsvorsitzende). Ich selbst habe auf die Bitte von zwei der Zeugen die ganze „Organisation“ der Anzeigenerstattung übernommen. Es würde zu weit führen, die Protokolle hier zu veröffentlichen. Aber es war schon übel, was dort ablief. Am 9. Mai 2003 teilte uns der Staatsanwalt mit, dass das Ermittlungsverfahren gegen die o. g. Personen eingestellt wurde. Wir beantragten daraufhin Akteneinsicht - und das war gut so. So schrieb der ermittelnde Beamte, dass schließlich mehr Tiere vermittelt als getötet wurden. Ein Kontrollbericht (wahrscheinlich gezwungenermaßen) des Veterinäramtes war in der Akte. Die hier aufgelisteten Fälle stellten eine Verletzung des Tierschutzgesetzes und auch der Tierheimordnung des Deutschen Tierschutzbundes dar.

Wir reichten beim Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg gegen diese Einstellung der Ermittlungen Beschwerde ein. Am 16. Juli 2003 erhielten wir den Bescheid, dass weiter ermittelt wird.

In einem Zwischenbescheid des Leitenden Oberstaatsanwaltes in Frankfurt/O heißt es, dass in dem Verfahren (204 Js 12364/02) der Tierärztin zur Last gelegt wird, von Mai 2000 - Juli 2002 in mindestens 30 Fällen in ihrer Praxis und im Tierheim Angermünde die Anweisung zur Tötung von Hundewelpen erteilt und selbst weitere Hunde verschiedener Rassen wegen angeblicher Erkrankungen, Bissverletzungen, Unterernährung und Verhaltensstörung eingeschläfert zu haben. Die Ermittlungen dauern zur Zeit noch an (Info v. 22.02.2004).

Das Tierheim in Angermünde übernahm häufig für ein ansehnliches Pfotengeld Tiere aus dem Berliner Tierheim. Im Juli 2002 noch wiesen wir das Berliner Tierheim auf die Anschuldigungen hin und baten, keine Tiere mehr dorthin zu geben, denn auch Hunde aus Berlin bekamen die Todesspritze. Etwas großkotzig versicherte uns Herr Wenk (Geschäftsführer): „Unsere Tiere werden überprüft - wo auch immer.“ Und warum ist ihm dann nichts aufgefallen? Am 1. Febr. 2004 schrieben wir erneut an das Tierheim in Berlin (an Sprecherin Frau Pfister), da der Verdacht besteht, dass der Tiertransfer Berlin - Angermünde nie aufgehört hat. Hier erhielten wir bis heute keine Antwort. Es quält doch die Frage: Wieviele Tiere schicken Wenk und Co. in ein ungewisses Schicksal? Kann es nicht sein, dass Angermünde nur die Spitze eines Eisberges ist?

Schockierend ist, dass durch den Angermünder TSV keine Aufklärung der Vorwürfe erfolgte. Die Mitglieder ließen es zu, dass die Beschuldigten selbst die „Aufklärung“ in die Hand nahmen und nicht ihre Ämter niederlegten. Auch die Rolle des amtlichen Tierarztes lässt hier so manche Frage offen. Die Bösen waren wir, weil wir in eine heile „Tierheimwelt“ stachen und uns wurden ziemlich miese Motive für unser Handeln unterstellt - vor allem mir.

Auch der Deutsche Tierschutzbund in Bonn wurde von einem der Zeugen Anfang Sept. 2002 über die Vorkommnisse informiert. Ich selbst habe am 1. Juli 2003 den Geschäftsführer, Herrn Fischer, über die Vorkommnisse informiert. Er erhielt auch den Kontrollbericht des Veterinäramtes.

Von Herrn Fischer erhielt ich keine Antwort - wohl aber eine Vorladung von der Kripo wegen Verleumdung. Am 1. Februar 2004 schrieb ich Herrn Fischer wieder und teilte ihm mit, dass es schon sehr schockierend ist, wie diese Vorkommnisse derart ignoriert werden, die ja eindeutig eine Verletzung der Tierheimordnung des Deutschen Tierschutzbundes darstellen. Seitens Tierschutzbund wird verbreitet, dass gegen Angermünde nicht ermittelt wird und wir das Tierheim und den Deutschen Tierschutzbund schaden wollen, obwohl man es besser weiß. Also drängt sich mir doch die Frage auf, ob es denn überhaupt noch um die Tiere oder nur um Geld und Geltung geht.

Na ja, eigentlich habe ich mir die Frage schon beantwortet.

Anmerkung der Redaktion: Das Tierheim Berlin weigert sich Auskunft zu geben, wie viele Hunde von Berlin nach Angermünde verbracht wurden, und ob das noch immer gemacht wird. Die Dachorganisation, der Deutsche Tierschutzbund, antwortet nicht auf unangenehme Fragen oder droht mit einer Anzeige.

Der ermittelnde Staatsanwalt hat inzwischen für jeden getöteten Hund ein Aktenzeichen vergeben. Die Liste der getöteten Hunde steht als Download (PDF) zur Verfügung.

Kommentare

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Von: Steffi (29.05.2006 17:45:30 Uhr)

Ich weiß nicht wie Menschen eineem Lebewesen soetwas antun kann. Ich bin geschockt und sowas nennt man dann Tierschutz, dass ich nicht lache!

Von: Jule (02.04.2006 19:06:40 Uhr)

Hallo.Ich komme aus Angermünde und habe vor einigen Jahren für kurze Zeit im Tierheim Ang. gearbeitet (Praktikum).Ich habe selbst miterlebt, dass man einen Hund, der recht scheu war (Problemhund) eingeschläfert hatte, obwohl er bei intensiver Beschäftigung schon aufgeschlossener wurde (als Praktikantin hat man dafür ja Zeit).Ich habe mich bei der Vorsitzenden darüber beschwert und bekam dafür eine sehr schlechte Beurteilung.Mit den Wildkatzen ging es wohl nicht anders zu...

Von: doreen (13.01.2006 18:21:35 Uhr)
E-Mail: mamadario@gmx.de

es schockiert mich abgrundtief ich verachte diese menschen ich kann es nicht beschreiben ich selbst hatte meinen hund in britz dort wollte man mir meinen hund nicht wiedergeben angeblich käme ich mit meinem 7 mon. staff-dobi nicht zurecht ich hatte eher immer den gedanken das dort geld oder hundekämpfe eine große rolle spielten beweisen kann ich das nicht .mein hund starb an altersschwäche 03/05 er wurde 11 jahre und er fehlt mir oW.

Von: Gina (28.12.2005 22:21:05 Uhr)
E-Mail: gina2810@freenet.de

Bisher dachte ich Tierschutz bedeutet Hilfe!!Hilfe für kranke Tiere, für alte Tiere und Problemtiere. Nachdem ich den Artikel gelesen habe, bin ich mir da nicht mehr so sicher...Nur gut, daß es wenigstens bekannt geworden ist!! Wieviele unbekannte Fälle wird es wohl geben ???

Von: sanne (27.10.2005 20:01:38 Uhr)

Bin total schockiert habe mir sowas schon gedacht . Komme aus der Nähe von angermünde . möchte gerne helfen.... wie man doch vom staat nicht für voll genommen wird es ist eine schande ....alles nur geldschneiderei die schweine

Von: Anja (25.03.2005 18:52:05 Uhr)

Als ich mir die Liste durchlies kamen mir die Tränen... wie kann ein Mensch so etwas verantworten?

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