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Konsumartikel "Hund" oder: Je mehr - desto besser!
Veröffentlicht: 11.06.2004 um 01:10:33 Uhr
Autor: Heidrun Schulz
Ein Leserbrief von Heidrun Schulz.
Vor allem Tierschützer beklagen, dass es zu viele Hunde und damit verbundenes Tierelend gibt. Sie hoffen auf ein Heimtierzuchtgesetz, das diesen unverantwortlichen Hundevermehrung Einhalt gebieten soll. Kann es sein, dass all jene, die auf dieses Gesetz warten, vergeblich warten?
Stellen Sie sich vor, alle 5 Millionen in Deutschland gemeldeten Hunde (+ Dunkelziffer) sind ein riesengroßer Knochen. Dann stellen Sie sich bitte weiter vor, wer an diesem Knochen nagt – also kassiert vom Hundehalter.
Da knabbern viele. Es ist ein ausgeklügeltes System – nach dem Motto: Leben und leben lassen! Ob das auch für den Hund gilt, bezweifle ich. Unsere Wegwerfgesellschaft machte ihn mehr und mehr zum Schrott vom Fließband.
- Die Kommunalpolitiker behaupten, den Hundebestand in den Kommunen mittels der Hundesteuer eindämmen zu wollen. Das ist Heuchelei pur, wenn gleichzeitig Hundevermehrern die ermäßigte Zwingersteuer zuerkannt wird. Man will doch viel Hunde, damit Steuern kassiert werden können – ohne Verpflichtung zur Gegenleistung.
- Auch die Versicherungen haben bestimmt nichts gegen viele Hundehalter-Haftpflichtversicherungen einzuwenden. Das ist trotzdem eine sehr sinnvolle Sache und im Bedarfsfall wird auch eine Gegenleistung erbracht. Allerdings machen die Versicherungen hier kein Verlustgeschäft.
- Am meisten profitiert jedoch die Futtermittelindustrie vom Hunde-Konsum. Hier würde man wohl gern in jedem Haushalt einen Hund sehen – unbeachtet der fatalen Folgen einer derart ungebremsten Vermehrung. Die Werbung bläut uns ein, dass der Mensch sich freut, wenn der Hund glücklich und die Haltung so einfach ist – dank Industriefutter. Die Gesundheit kommt aus der Dose – nass oder trocken. Wirklich? Wer nimmt mir meine Zweifel? Die es könnten, lächeln und schweigen – irgendwann lächeln sie nicht mehr...
- Dann gibt es noch die Leute, die dafür verantwortlich sind, dass es so viele Hunde gibt. Sind es die Züchter oder Vermehrer? Also, die tun es auch nicht umsonst! Aber die Züchter, die dem VDH angeschlossen sind, unterliegen schon einer Kontrolle und deshalb: Wenn Rassehund – dann vom „ordentlichen“ Züchter holen oder ins Tierheim gehen!
- Einen großen Teil vom Knochen Hund holen sich die Tierärzte. Sie impfen, verkaufen Futter und Arznei, kastrieren, beraten und therapieren. Die Tierärzte haben eine Gebührenordnung nach der sie kassieren (Baukastensystem). Um Transparenz für den Tierhalter geht es hier nicht, deshalb sollte der sich vorher kundig machen.
- Dann gibt es da noch die klugen Professoren an den Hochschulen, die für die Futtermittel- und Pharmaindustrie die positiven Gutachten schreiben – bestimmt bestens bezahlt. Mehr sage ich nicht, weil ich nicht soviel weiß wie ein Professor. Ich bin bloß seit fast dreißig Jahren Hundehalter.
- Auch die Pharmaindustrie sorgt sich um das Wohl der Hunde. Der Hundehalter bezahlt natürlich gern dafür. Er glaubt schließlich seinem Tierarzt, der ihm die Medizin verkauft.
- Dann zahlt der Hundehalter letztendlich auch für die Werbemaßnahmen von Zoohandel, Futtermittelindustrie etc., von denen wieder Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk, Fernsehen u. s. w. finanzielle Zuwendungen erhalten.
- Auch der Zoohandel und seine Zulieferer sind Nutznießer der Hundehaltung. Wie sinnvoll oder sinnlos das Angebot für den Hund hier ist, bleibt der Entscheidung des Hundehalters überlassen.
- Hundefriseure, Hundepensionen, Tierfriedhöfe, Abdeckerein – auch sie verdienen am Hund. Von der Wiege bis zur Bahre ... Geld!
- Und dann sind da noch die professionellen Franz von Assisis. Was wären die ohne Hunde? Aber alle Rassen sind hier auch nicht erwünscht. Da arrangiert man sich dann schon.
Meine Aufzählung erhebt nicht den Anspruch, vollzählig zu sein. Aber sie berechtigt zu den folgenden Schlussfolgerungen:
Am meisten sahnt die Futtermittelindustrie bei den Hundehaltern ab. Ein Teil des Profites wird weitergereicht an den VDH, an die Gutachtenschreiber in den Hochschulen, an die Werbeträger, an den Tierschutz. Vielleicht gibt es auch Wahlkampfhilfen für die Politik? Mit Geld schafft man Abhängigkeiten. Die Futtermittelindustrie will verdienen, und die hier in den Genuss von Geld kommen, werden benutzt, damit der Profit noch großer wird. Wer an das karikative Anliegen von Konzernen glaubt, der irrt. Deshalb glaube ich auch nicht, dass sich der Tierschutz ernsthaft für ein Heimtierzuchtgesetz einsetzen wird – zumindest der Tierschutz nicht, der sich in die Abhängigkeit der Futtermittelindustrie begeben hat. Viele Hunde braucht das Land, denn sie schaffen Arbeitsplätze. Dabei ist es egal, ob die Hunde vor die Hunde gehen. Auch die Politiker werden nichts ändern wollen, denn sie sind Marionetten der Wirtschaft.
Summa summarum: Das Hin und Her um das Heimtierzuchtgesetz ist populistisches Gerede derer, die am Tropf der Futtermittelindustrie hängen. Kassieren hier – verdummen da? Arme Hunde!
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