Vierzehn Tage lang hielt die Bürgerinitiative "Berliner Schnauze" vor dem Roten Rathaus in Berlin eine Mahnwache ab. Unter dem Fenster des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) wurde an 3 Jahre tierquälerischer Hundeverordnung erinnert. Ein nur für ihn reservierter Stuhl sollte den Bürgermeister dazu einladen, sich über die Konsequenzen der seit Juli 2000 bestehenden Hundeverordnung zu informieren.
Die Bürgerinitiative wandte sich mit ihren Protest gegen den Regierenden Bürgermeister, da er weiterhin einen generellen Maulkorbzwang fordert. Zur Vorgeschichte: Ende Januar 2003 fand im Berliner Abgeordnetenhaus die 3. Expertenanhörung zum Thema Hundeverordnung und Gesetz statt. Diese Anhörung ergab nichts anderes, als die 1. und die 2. Expertenanhörung davor: Es gibt keine von Natur aus gefährlichen Hunderassen, Maulkorbzwang ist Tierquälerei, Wesensüberprüfte Hunde müssen vom Maulkorb befreit werden und die Berliner Hundeverordnung ist rechtswidrig.
Die zuständige Gesundheitssenatorin Dr. Heidi Knake-Werner (PDS) plante darauf hin ein Gesetz vorzulegen, dass wesensgetestete Hunde vom Maulkorbzwang befreit. Wenigstens etwas. Doch dann intervenierte vor einigen Wochen der Bürgermeister Klaus Wowereit, und forderte entgegen den Meinungen der Sachverständigen die bestehende Hundeverordnung samt Rasselisten in ein Gesetz zu gießen.
"Wir bedauern, dass Herr Wowereit sich nicht einmal 15 Minuten Zeit genommen hat, um 12.000 Unterschriften Berliner Bürger zum Thema 'Hundeauslaufgebiet Grunewald' persönlich entgegenzunehmen." sagte Gisela Düllberg von der Berliner Schnauze und fügte an: "Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass Empfänge, Parties und Bälle unserem Regierenden Herrn Bürgermeister wichtiger sind als die Belange der Bürger." Die Bürgerinitiative wendet sich damit auch gegen populistische und unsachliche Behauptungen in der Presse und die Instrumentalisierung der Hunde zu Wahlkampfzwecken.
Die Reaktionen der Passanten auf die Mahnwache waren zum großen Teil positiv. Zwar gab es auch einige, die wie immer das Thema Hundehaltung auf "Beißen und Scheißen" reduzierten, die meisten fanden diese Aktion jedoch gut. Viele Touristen bekamen so auch einen Einblick in die Berliner Provinz-Politik. Insbesondere der rosa Stuhl war ein Blickfang. "Der soll mal runterkommen", sagte ein Passant und zeigte auf das Rathaus, "der wird bestimmt schmelzen auf diesen Stuhl."
Quelle und weitere Informationen: Berliner Schnauze
Von: Manfred Korinth (01.08.2003 00:48:14 Uhr)
E-Mail: Manfred.Korinth@t-online.de
Bei einer Rassenpolitik ist es unwichtig, ob die Rassen gefährlich sind oder nicht.
Entscheidend ist, daß Deutschland wieder eine Rassenliste hat, die es der Weltöffentlichkeit präsentieren kann.
Wichtig ist auch, daß nur ausländische Rassen aufgelistet sind, damit andere Länder mit dem Finger auf uns zeigen.
Es zählen nur die Mehrheitsverhältnisse im Parlament.
Die Sachverständigen werden zum Affen gemacht.