Übesicht

Grunewaldtheater 2. Akt - Die Ausschüsse

Veröffentlicht: 15.02.2003 um 17:36:22 Uhr
Autor: Guido Zörner

Nachdem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung seine Pläne zur "Neuordnung" des Hundeauslaufgebietes am Grunewaldsee vorgelegt hat, müssen nun die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf darüber entscheiden, was aus diesem Gebiet wird. Denn das riesige Auslaufgebiet erstreckt sich über beide Bezirke.

Das erste Quartal 2003 ist die Zeit der Anhörungen und Ausschusssitzungen. Als die CDU in Charlottenburg-Wilmersdorf den Anfang machte, war den zuständigen Bezirkspolitikern schnell klar, dass es kein Thema gibt, welches die Bürger im Bezirk mehr bewegt. Denn alle Anhörungen und Ausschusssitzungen wurden regelmäßig von interessierten Bürgern gesprengt. Selbst die größten Gemeindesäle boten kaum ausreichend Platz, alle interessierten Hundehalter unterzubringen.

Einige Tage nach der CDU-Anhörung zog die SPD-Fraktion aus Charlottenburg-Wilmersdorf nach. Auch während dieser Anhörung von betroffenen Bürgern konnten für die Pläne des Strieder-Senats keine sinnvollen Begründungen gefunden werden.

Der derzeitige Höhepunkt stellte die öffentliche Sitzung des Umweltausschusses von Charlottenburg-Wilmersdorf am 05.02.03 dar. Die Bezirksfachausschüsse sind die Gremien, die Empfehlungen oder Anträge an die Bezirksverordnetenversammlungen (Bezirksparlament) liefern. Außerdem wird das Votum des Bezirks als Veto in die Pläne der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung fließen. Sie sehen vor, langfristig die Freilauf-Gebiete an der Seenkette aufzuheben und durch andere zu ersetzen.

Während der Sitzung des Umweltausschusses wurden zunächst Vertreter von unterschiedlichen Interessenvereinigungen und Institutionen angehört. Anschließend fand eine Debatte zwischen den anwesenden Bezirkspolitikern, den geladenen Vertretern und den Bürgern statt. Zum Schluss wurde von den Politikern ein Antrag für die Bezirksverordneten entworfen.

Die Redebeiträge der Forsten (Herr Franusch), der Stiftung Schlösser und Gärten und des Kindergarten waren nicht von neuem Informationswert, weil deren Inhalte immer wieder in der Presse zu lesen waren. Herr Franusch als Vertreter der Forsten hat einen sehr betretenen Eindruck hinterlassen, zumal er weder auf Belange im Düppeler Forst noch konkreter auf die Bürgerfragen einging. Und das, was er nicht sagen wollte sprach er an, wie z. B. Wasserqualität. Ein Kapitel, welches bereits 1995 abgehakt wurde - also bereits einen Bart der Unendlichkeit trägt. Herr Franusch führte an, dass seit den 90er Jahren saisonal Beschwerden von Besuchern und Anwohnern wegen der Hunde tendenziell zunähmen. Gegenüber einem Journalisten gab er jedoch zu, das es sich hier um ca. 1 Dutzend Beschwerden pro Jahr handelt.

Eine Vertreterin der Stiftung Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg erzählte den Anwesenden erst einmal, es gäbe eine Obstwiese und einen Küchengarten am Schloss Grunewald. In welchem Zusammenhang diese jedoch mit dem Auslaufgebiet stehen, wurde leider nicht klar. Ab Januar 2004 sollen im und am Schloss größere Bauarbeiten beginnen. Es soll ein Kulturstandort entstehen. Das Jagdschloss soll u. a. ein aktives Museum werden (v. a. für Familien mit Kindern), Cafe und Museumsshop. Auch war die Rede von Veranstaltungen, wie Hochzeitsfeierlichkeiten etc. Nach diesen Ausführungen liegt der Verdacht nahe, dass wegen kommerzieller Interessen ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Berliner Bürger eingeschränkt werden soll. Denn bei der Menge der angeführten Vorhaben ist, gemessen an der jetzigen Größenordnung eines kleinen Jagdschlosses, mit einer umfangreichen flächenmäßigen Ausbreitung zu rechnen.

Gehobene Gastronomie im Hundeauslaufgebiet wird jedoch nachweislich nicht in Mitleidenschaft gezogen, wie es von Seiten der Forsten sowie Stiftung Schlösser und Gärten immer behauptet wird. Das beste Beispiel liefert die Gastronomie im Forstamt Paulsborn, dort erhalten Hündchen auch eine Schale unentgeltlich "Hundebier". Der Landesjagdverband Berlin veranstaltet jährlich am 1. Samstag im Juli im Jagdschloss Grunewald ein großes Jagdhornblasen mit vielen Gästen aus nah und fern. Auch dazu dürfen Hunde ohne Eintrittsgelder im Innenhof dem Musikgenuss im Konzert beiwohnen.

Frau Gudrun Rademacher von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sowie vom Waldmuseum mit Waldschule der SDW im Jagdschloß Grunewald ging in ihren Ausführungen unter anderem auf die Geschichte der Hundeauslaufgebiete, ihre Entstehungszeit und deren Anzahl in den Berliner Forsten ein. Die Lobbyistin des Waldes, der Kinder und Familien machte deutlich, dass die Verschiebung des Hundeauslaufgebietes Grunewald eine Augenauswischerei ist. Sie schlug vor, eine neue Hundeverordnung für ganz Berlin, die auch die Hundeauslaufgebiete betrifft, an einem Runden Tisch zu erarbeiten.

Ein Vertreter vom Elternausschuss der Kindertagesstätten bemängelte, manche Hundebesitzer nehmen zu wenig Rücksicht auf Kinder. Er fürchtet, die Kinder hätten Angst vor nicht angeleinten Hunden im Hundeauslaufgebiet. Er bemängelte weiter die schlechte Wasserqualität der Seen im Sommer und plädierte für eine stärkere Rücksichtnahme von Hundebesitzern gegenüber Kindern.

Die Tierärztekammer Berlin sprach sich dagegen eindeutig für einen Erhalt des Auslaufgebietes in der jetzigen Form aus. Sie betonte besonders dessen Bedeutung für zwischenmenschliche, soziale Kontakte. Die Sicherheit, die durch die Anwesenheit der Hunde für die übrigen Besucher des Waldes entsteht, solle man nicht unterschätzen. Weiterhin betonte sie die Notwenigkeit des Erhalts dieser Auslaufgebiete, um Hunden eine artgerechte Haltung bieten zu können. In einem kleinen Satz regte sie an, statt an die Schließung von Auslaufgebieten zu denken, sollte man eher noch weitere hinzufügen.

Zum Thema Sicherheit nahm auch die Leiterin des zuständigen Polizeiabschnitts 25 Stellung. Sie wusste zwar von Streitigkeiten zwischen Hundebesitzern, konnte aber von Anzeigen wegen Hundebissen rund um den Grunewaldsee nichts berichten. Die Sicherheit im Bereich des Auslaufgebietes weicht nicht von anderen Waldgebieten ab. Die Polizei verzeichnet dort ca. 9 Vorfälle pro Jahr. Dazu zählen jedoch auch Streitigkeiten unter Hundehaltern ohne Beteiligung der Tiere. Aus polizeilicher Sicht ist das Auslaufgebiet Grunewald ein ganz normales polizeiliches Lagegebiet und sie sieht deshalb keinen Grund für eine Verlagerung des Hundeauslaufgebietes. Gleichzeitig wies die Abschnittsleiterin darauf hin, dass im Falle einer Verlegung in den Düppeler Forst, die Polizei für ordnungspolizeiliche Aufgaben in diesem Bereich nicht zur Verfügung steht.

Einen Appell an die Toleranz richtete eine Vertreterin des Reitclubs Grunewald an die Hundehalter. Sie erinnerte daran, dass vor Jahren eine Reiterin zu Tode gekommen war, weil ein Hund ihr Pferd zum Scheuen gebracht hatte. Ein Schild am Parkplatz neben dem Ausflugsrestaurant Paulsborn könne Hundebesitzer dazu anhalten, dort besonders Rücksichtsvoll zu sein.

Zu besonderen Dank sind die Hundehalter Frau Gisela Düllberg von der Bürgerinitiative Berliner Schnauze verpflichtet. In gebotener Ruhe und gewohnter Sicherheit gelang es ihr, alle wichtigen Argumente der Hundefreunde verkaufen zu können. Letztlich überzeugte das auch die abstimmenden Abgeordneten, bis auf Einen (Gegenstimme), der vielleicht gerade noch in den letzen Tagen vor dem Rathaus sich einer Tretmiene opferte. Weshalb auch immer - ob breit getreten oder mit Glück beseelt, die Hundefreunde aus dem Grunewald sind noch nicht am Ende ihrer Bereitschaft im Wettbewerb um die Gunst für ein freudvolles Miteinander im Hundeauslaufgebiet.

Im Anschluss an die Redebeiträge der Interessenvertreter, konnten sich dann noch einmal die Bürger zu Wort melden. Diese haben sich insgesamt sinnvoll ergänzt und konnten sehr gut die breite Palette der Kritiken, Anregungen und Einwände wiederspiegeln.

Trotz kritischer Stimmen einiger Redebeiträge bildete sich zwischen den Mitgliedern des Umweltausschusses sehr schnell ein breiter Konsens. Bis auf eine Gegenstimme wurde ein Fraktionsübergreifender Antrag für die Bezirksverordnetenversammlung erarbeitet. Darin wird das Bezirksamt aufgefordert, "in Abstimmung mit dem Nachbarbezirk Steglitz-Zehlendorf intensivst die Neuplanung der Senatsverwaltung hinsichtlich Neuschneidung der Hundeauslaufgebiete im Grunewald zu analysieren und zu bewerten". Das Ziel dieser Bemühungen soll sein, die Nutzung der Auslaufgebiete grundsätzlich aufrecht zu erhalten. Ferner soll geprüft werden, inwiefern Hunde an einer akuten Seenverschmutzung oder Zerstörung an Flora und Fauna beteiligt sind. Bei weiteren Planungen sollen die diese Gebiete nutzenden Hundehalter hinzugezogen werden. Auch sollen gegebenenfalls extra gekennzeichnete Hundebadestellen eingerichtet werden, um Belästigungen von Badegästen an den anderen Badestellen zu vermeiden. Ein besonders wichtiger Punkt des Antrags ist, dass zusätzliche Schilder die Grenzen des Auslaufgebietes markieren sollen und so möglichen Nutzungskonflikten zuvorkommen sollen.

Charlottenburg-Wilmersdorf hat sich also für den Erhalt des Auslaufgebietes am Grunewaldsee ausgesprochen. In der nächsten Runde muss der Bezirk Steglitz-Zehlendorf entscheiden.


Quellen und weitere Informationen:

Interessengemeinschaft Grunewald
Hundstage Berlin e. V.
Artikel in Die Welt vom 07.02.03
Antrag an die BVV Charlottenburg-Wilmersdorf im Wortlaut

Kommentare

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Von: Hans Schulte (03.03.2003 16:17:00 Uhr)
E-Mail: h-g-schulte@web.de

Na das iast ja ein Ding!
Bis heute habe ich im Hundemist gestanden.Aber vielleicht zieht ja das Hundehalterargument " Ich zahle ja schließlich Steuern" auch für den Menschen und so kann er hinkacken wo er will. Der Mensch dekoriert seine Hinterlassenschaft zumindest. Der Hundehaufen dekoriert zumeist die Sohle der Schuhbesitzer. Das genau ist der Grund warum viele auf uns Hundebesitzer sauer sind. Vielleicht sollten wir aufhören auf unser Recht zu pochen und dafür eine gegenseitige Erziehung beginnen. Das fängt bei den Tonnen von Hundescheiße die in der Stadt herumliegen an. Diese Tonnen nehmen keine Rücksicht auf unsere Kinder und nicht so sehr die Jogger. Die Schimmelpilze und Keime die sich bei Auflösung dieser Haufen frei setzen müssen gerade sie, die gerade mal einen halben Meter groß sind, einatmen.
Doch auf diesem Ohr sind alle taub Herr Wirtschaftsrat.

Von: Kreyenborg (17.02.2003 17:14:20 Uhr)
E-Mail: J.Kreyenborg@wirtschaftsrat.de

Vor einigen Wochen besuchte ich wie jedes Wochenende die Krumme Lanke, um meiner Jagdhündin den nötigen Auslauf im Kontakt mit anderen Hunden zu bieten.
Leider gibt es Menschen, die ihre Jagdhunde hinter einem Mountainbiker herhetzen lassen, der eindeutig Angst hatte. Ich habe meine Hündin abgerufen und sie abgelegt. Der Biker bedankte sich sehr freundlich dafür. Normalerweise lege ich meine Hündin nicht für Jogger und auch nicht für Biker ab, da diese weder auf Hunde und am schlimmsten nicht auf Kinder Rücksicht nehmen - in der momentan angespannten Situation sollte es aber nicht zu diesen Vorfällen kommen.
Ich hoffe, dass die Gebiete bestehen bleiben und noch ausgedehnt werden - es sollten aber auch erwachsene Menschen darauf hingewiesen werden, dass die Wälder keine Toiletten sind - die Hunde stehen in Menschenmist - dekoriert mit einem Tempotaschentuch - und das ist widerlich!
Jutta Kreyenborg
Jagdhunde in Not e.V.,Berlin

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