Übesicht

Grundwaldtheater 1. Akt - Senat plant Kürzung des Hundesauslaufes am Grunewald

Veröffentlicht: 06.01.2003 um 22:54:51 Uhr
Autor: Guido Zörner

Das Hundeauslaufgebiet im Grunewald besteht seit über 70 Jahren. Es umfasst etwa 30 % des Waldgebietes im gesamten Grunewald. Die Hundespaziergänger dort teilen sich den Wald mit Reitern, Sportlern und Spaziergängern ohne Hund. Das Bild zeigt (rot markiert) das derzeitige Auslaufgebiet mit dem Grunewaldsee in seiner Mitte. Entlang der AVUS verläuft (gelb markiert) das neue Auslaufgebiet. Das von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Unkenntnis der Gegebenheiten vorgeschlagene, eingeschränkte Gebiet ist nun genau das, welches bisher von den Reitern genutzt wurde, während die Hundehalter eher die Gebiete in Wassernähe zum Spazieren gehen nutzten. Beide Gruppen nun ein einem Areal zusammenzupferchen, würde Konflikte zwischen Reitern und Hundehaltern geradezu heraufbeschwören. Doch scheint Insidern genau das das Ziel der Senatsverwaltung zu sein.

Das zweite - als Ersatz für den gestrichenen Bereich - zur Verfügung gestellte Gebiet in Düppel ist ebenfalls problematisch, da sich dort Rotwild und Muffelwild aufhält. Im aktuellen Auslaufgebiet existieren zwei bis drei Wildschweinrudel, die sich mit den Hunden im Allgemeinen gut arrangieren. Bei seltenen Zwischenfällen sind eher die Hunde die Geschädigten. Freilaufendes Rotwild gibt es im Auslaufgebiet nicht, und würde, durch eine Verlagerung der Hundespaziergänger nach Düppel, dort auch vertrieben.

Gerade die Wassernähe ist für ein Hundeauslaufgebiet im Sommer wichtig. Hunde können nur über Hechelnd ihre Körpertemperatur regeln, und deshalb benötigen sie viel Wasser. Das Auslaufgebiet an den Seen anzusiedeln, war deshalb eine vernünftige Entscheidung und zeugt von Sachkunde und Kenntnis artgerechter Tierhaltung. Dieses Wissen ist der heutigen Politikergeneration anscheinend weitgehend verlorengegangen.

Das Hundeauslaufgebiet im Grunewald umfasst weniger als 1/10 der gesamten Waldfläche in Berlin. D. h., in über 90 % der Berliner Wälder herrscht Leinenzwang. Es gibt reichlich Wasseranbindungen in diesen von Hundehaltern kaum genutzten Arealen. Das gesamte Havelufer, der Tegeler See und alle im Ostteil der Stadt gelegenen Flächen unterliegen dem Leinenzwang. Ist es den wenigen Menschen, die in die Hundeauslaufgebiete fahren und sich anschließend darüber beschweren, dass dort Hunde frei laufen, nicht zuzumuten, in die weit größeren Nicht-Hundeauslaufgebiete zu fahren? Sind die Interessen von 15 Leuten, die sich durchschnittlich pro Jahr beschweren, in diesem Fall höher anzusiedeln als die von 250.000 Hundehaltern?

Es handelt sich bei den Hunde-Gegnern oft um Jogger und Fahrradfahrer, die ihren Sport ungehindert ausüben wollen. Würden sie auch auf einen Fußballplatz laufen und sich dann darüber beschweren, dass dort Fußball gespielt wird?

Viele Irritationen rühren aber auch daher, dass vor allem die Neu-Berliner überhaupt nicht genau wissen, wo Auslaufgebiet ist und wo nicht. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Berliner Forsten haben es seit Jahren versäumt, Kartenmaterial zu entwickeln und die Gebiete vor Ort mit übersichtlicher bürgerfreundlicher Beschilderung und Orientierungstafeln zu versehen. Auf Nachfrage erhält man bei den Berliner Forsten eine dürftige schwarzweiß Skizze aus Vor-Wendezeiten, Mauerlinie inklusive.

Eine erhöhte Frequentierung des Auslaufgebietes Grunewald seit der Maueröffnung zum Anlass zu nehmen, dieses Gebiet zu verkleinern, entbehrt jeder Logik. Es ist eine beschämende Form der Diskriminierung der Menschen im Ostteil der Stadt, dass die Landesforstverwaltung sich weigert, ihnen in der Wuhlheide, in der Königsheide etc, ebenfalls eigene Auslaufgebiete zur Verfügung zu stellen. Sie müssen – wie die Brandenburger – erst nach West-Berlin fahren, um ihrem Hund legal etwas freien Auslauf zu verschaffen.

Divide et Imperia! Teile und Herrsche lautet das Prinzip des SPD geführten Senats.
Denn nur durch die inszenierten Konflikte (Hundehalter, Reiter, Sportler...) des Senats kann dieser in all seinen Plänen bestärkt werden. Und ob Strieders öffentlich bekannt gegebener Plan aufgeht, nämlich die Stadt Hundefrei zu bekommen, wird sich noch zeigen.

Eine Unterschriftenliste finden Sie zum download auf der Hompage des Vereins Hundestage Berlin.

Kommentare

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Von: Nancy Trill (21.09.2003 09:30:48 Uhr)
E-Mail: nancytrill@aol.com

Ich träume auch davon durch Berlin zu laufen und Menschen mit solch einer uninformierten Meinung nicht treffen zu müssen! Interessiert aber niemanden, desweiteren gibt es in Berlin so viele Waldflächen in denen ich meinen Hund nicht frei laufen lassen darf das sie doch bitte dort hingehen können, wissen sie überhaupt was das in km2 für eine Riesenfläche ist? Und im Übrigen "zugekackte Flächen"? Welch Artikulation! Das ist nicht wahr. Desweiteren sollten sie mal darüber nachdenken was ein Hundebesitzer an Hundesteuer abführt und was der Senat dafür als Gegenleistung erbringt, da wird wohl ein Hundeauslauslaufgebiet drin sein. Und nun erzählen sie mir nicht das die Berliner StadtReinigung dafür die HundeKacke(in Ihrer Sprache) wegmacht, NEIN, das tut sie nämlich nicht! Das muss der Hundehalter selbst machen, dazu ist er per Gesetz verpflichtet.

Von: Hans Schulte (03.03.2003 13:39:47 Uhr)
E-Mail: h-g-schulte@web.de

Es ist nicht nur der Traum des Herrn Strieder die Stadt Hundefrei zu bekommen.Der Großteil der Hundebesitzer selbst sorgt für schlechtes Image. Es gibt einen großen Teil der Bevölkerung die davon träumt durch unsere Stadt zu gehen ohne permanent von Hundescheiße und deren Geruch während der warmen jahreszeit belästigt zu werden. Dazu gehören die auch immer dünner werdenden Waldgebiete und Grünflächen. Bestimmte Teile unserer uns allen gehörenden Natur zu Auslaufgebieten für Hunde zu gestalten ist selbstverständlich die Beschneidung der Rechte eines Großteils der Bevölkerung die keine Hunde in Ballungsgebieten hält.
Solche Auslaufgebiete sind auch nur zugekackte Flächen die uns allen gehören.Wir zahlen auch Steuern.
Hundebesitzer die Ihrer Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit nachkommen sind davon selbstverständlich ausgenommen! Die zu finden fällt nach meiner täglichen Beobachtung sehr schwer.

Von: Andreas (17.01.2003 21:40:46 Uhr)
E-Mail: andreasic@freenet de

Biertischlaunen des Senates verderben die Stimmung der Bevölkerung

Von: Joker (13.09.2009 um 21:21 Uhr)
E-Mail: joker113@freenet.de

ach ja die tonnenweise pferdescheisse riechen ja viel besser, und sind angenehmer, besonders am forsthaus paulborn.

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