Massenmord für Olympia

Veröffentlicht: 08.02.2008 um 16:25 Uhr
Autor: Guido Zörner

Wie schon zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen wurden auch in China massiv und mit größtmöglicher Brutalität die Städte von Hunden „gesäubert“. Im Gegensatz zu den Säuberungen in Athen wurden nicht nur streunende Hunde eingesammelt und getötet, auch Hunde, die seit vielen Jahren ihren festen Platz in einer Familie hatten, mußten getötet werden. Doch seit der Jahreswende scheint sich möglicherweise ein Wechsel abzuzeichnen.

Im Südwesten Chinas – im Stadbezirk Wanzhou der Stadt Chongqing – sollten laut einer Anordnung vom März 2007 sämtliche Hunde den Behörden übergeben und getötet werden, berichteten Foxnews und The Shangahaiist am 07.03.2007. Laut Ran Hua, einem Mitarbeiter des Gesundheitsamtes im Stadtbezirk Wanzhou diente diese Maßnahme dem Kampf gegen die Tollwut in der Region. Im Jahr 2006 soll es 3 Fälle von Tollwut gegeben haben und im Februar 2007 soll ein Mensch daran gestorben sein. Auch geimpfte Tiere mußten getötet werden. Wer nach dem 15. März noch mit einem Hund angetroffen wurde, mußte mit einer empfindlichen Geldstrafe rechnen.

Ein Hund wird unter heftiger Gegewehr von Männern mit Metallstangen gefangen.
(Bild: Wer seinen Hund nicht freiwillig den Behörden übergab, dem wurde er gewaltsam fort genommen. Quelle: via Flickr.)
Im Kreis Mouding im autonomen Bezirk Chuxiong der chinesischen Provinz Yúnnán sind letztes Jahr laut BBC über 50.000 Hunde getötet worden. Einige Hunde wurden vor den Augen ihrer Besitzer von der Polizei auf der Straße erschlagen. Andere Hundehalter haben daher die Initiative ergriffen und ihre Hunde selbst vergiftet oder durch Stromschlag getötet, damit ihnen das brutale Schicksal erspart bleiben sollte. Dafür erhielten die Hundebesitzer einen Ausgleich von umgerechnet ca. 40 ct pro Hund. Auch hier soll wieder die Tollwutseuche Anlass für die Tötungen sein. Aber auch in diesem Fall wurden geimpfte Tiere nicht verschont. Es wurden extra Überwachungsposten an Straßenrändern eingerichtet, damit kein Hund entkommt. Laut Netzzeitung sind Nachts Spezialtrupps durch die Dörfer gezogen und haben Geräusche gemacht. Hunde, die daraufhin angeschlagen haben, wurden erschossen. Die Hunde von Polizei und Militär waren von den Tötungen nicht betroffen. Auch andere Nutz- und Haustiere waren von den Maßnahmen nicht betroffen – obwohl die Tollwut auch auf sie übertragbar ist.

Nach Berichten der Humane Society International (HSI) sind auf diese Weise innerhalb von 5 Tagen 50.000 Hunde allein in der Provinz Yúnnán abgeschlachtet worden.

Ein Hund wird von 3 Polizisten mit dicken Knüppel erschlagen. Eine Menschenmenge steht drum herum und schaut zu.
(Bild: Die Hundebesitzer mußten zusehen, wie ihnen ihre Hunde weg genommen wurden und noch auf der Straße erschlagen wurden. Quelle: via Flickr.)
Als Reaktion auf die Massentötungen in der Provinz Yúnnán hat die Organisation The Humane Society of the United States (HSUS) bereits im August 2006 der Chinesischen Regierung $100.000 für ein effektives Tollwutregulierungsprogramm unter der Bedingung angeboten, sofort die Massentötungen zu stoppen. Damit folgte die HSUS der Linie der Welt-Gesundheits-Organisation der Vereinten Nationen (WHO), welche die Massentötungen nicht als ein effektives Mittel zur Tierbestandskontrolle ansieht. Statt dessen wird von beiden Seiten die Notwendigkeit von Impfprogrammen hervorgehoben. Dieser Offerte wurde jedoch keine Beachtung geschenkt. Bis Ende letzten Jahres wurde mit den Massentötungen fortgefahren.

Doch angesichts der Tatsache, daß rund 70% aller Haushalte in ländlichen Gebieten in dem bevölkerungsreichsten Land der Erde Hunde halten und zu einem erfolgreichen Massen-Impf-Programm neben der Bereitstellung der Impfstoffe auch die Verteilung der Impfstoffe, das Training von Personal, das Verbreiten von Aufklärungsmaterial, die Entwicklung von geeigneten logistischen Einrichtungen (Transporter, Kühlanlangen etc.) sowie der medizinischen Infrastruktur in ländlichen Gebieten gehört, erscheint die Summe von $100.000 geradezu lächerlich.

Viele Menschen stehen zusammen und halten Flugblätter in die Luft.
(Bild: Im November 2006 demonstrierten ca. 200 Hundefreunde in Beijing gegen die Massentötungen. Quelle: via Flickr.)
Auch in der Stadt Beijing (Peking), dem Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2008 wurde hart durchgegriffen gegenüber streunenden und unregistrierten Tieren. Seit dem Jahr 2006 wurden Wohnung durch Polizisten nach Hunden durchsucht, die größer als das zulässige Maß von 35 cm sind oder die unregistriert waren. Der Webseite Savedogs zufolge ist das Vorgehen gegen die Tollwut jedoch nur ein Vorwand, um gegen die aufkeimende Hundehaltung in Beijing hart durchzugreifen. Viele Hundebesitzer und Tierliebhaber in Beijing sind entrüstet über das Vorgehen der Behörden und würden lieber auf die Olympischen Spiele verzichten. Auch International regt sich Protest. Mehrere Petitionen fordern den sofortigen Stop der Massentötungen sowie gesetzliche Impfungen für die Hunde.

Eine Frau kniet auf dem Boden, hält ihren Hund im Arm und macht eine demütig-bittende Geste. Im Hintergrund ein Fangnetz.
(Bild: Die Menschen konnten noch so sehr um das Leben ihrer Hunde flehen – die Behörden gestatteten keine Ausnahme.)
Weitere Massentötungen gab es in der Stadt Jìníng in der Provinz Shāndōng. Infektionen gab es auch im Autonomen Gebiet Guangxi der Zhuang und den Provinzen Gùizhōu, Sìchuān und Húnán. Aus den anderen südwestlichen Provinzen ist leider nichts bekannt.

Eine Analyse der Kosten und Nutzen hat die Verantwortlichen vermutlich dazu veranlasst, sich lediglich für die Eindämmung der Seuche – mit ihren drakonischen Folgen – zu entscheiden, statt für eine kostenintensive Impfkampagne. Mit Beginn der Olympischen Sommerspiele 2008 steht für China viel auf dem Spiel. Die Welt schaut auf dieses Land und will Sieger sehen, statt dahin siechende Opfer der Tollwut.

A82.9

Im Internationalen Krankheiten-Katalog der WHO (ICD-10) ist die Tollwut unter dem Schlüssel A82.9 verzeichnet. Die Tollwut wird als Zoonose bezeichnet. Das heißt, die Viren können auch von Tier zu Mensch und umgekehrt übertragen werden.

Elektronenmikroskopaufnahme einiger Tollwut-Viren. Sehr gut ist die zylindrische Form zu erkennen.
(Bild: Das Virus ist ca. 100 nm lang und hat üblicherweise entweder eine spiralenförmige oder kubische Symmetrie. Quelle: PhD Dre, Lizenz: CC-by-sa.
Die Übertragung der Viren (Infektion) erfolgt in der Regel mittels des Speichels eines infizierten Tieres, der durch eine Bisswunde – selten auch durch Kratzwunden – in den Blutkreislauf gelangt.

Von der Bisswunde ausgehend vermehrt das Virus sich erst mal und wandert dann über Nervenfasern und das Rückenmark in das Gehirn. Je nach Ort und Schwere des Bisses, kann dieser Vorgang unterschiedlich lange dauern. Die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit) dauert in der Regel zwischen 3–8 Wochen, selten kürzer als 9 Tage. In Ausnahmefällen kann die Inkubationszeit auch mehrere Jahre betragen (s. a. RKI-Ratgeber Tollwut).

In den ersten Stunden nach einer Infektion, stehen die Chancen sehr gut, durch eine nachträgliche Impfung mit einer zusätzlichen Gabe eines Tollwutantikörpers das Virus abzutöten. Hat das Virus jedoch das Gehirn erreicht, gibt es praktische keine Möglichkeit der Heilung mehr.

Die ersten Symptome beim Menschen sind eine Gehirnhautentzündung und ggf. Schmerzen an der Bisswunde. Es folgt häufig Sensibilitätsverlust an einigen Hautbereichen.

Ein Mensch liegt in einem Krankenbett und ist mit den Unterarmen ans Bett fixiert..
(Bild: Ein an Tollwut erkrankter Mensch. Quelle: CDC, Lizenz: public domain.)
Bald danach steigern sich die zentralnervösen Symptome wie Lähmungen, Angst, Verwirrtheit, Aufregung, weiter fortschreitend zum Delirium, zu anormalem Verhalten, Halluzinationen und Schlaflosigkeit. Die Lähmung der hinteren Hirnnerven (Nervus glossopharyngeus, Nervus vagus) führt zu einer Rachenlähmung, verbunden mit einer Unfähigkeit zu sprechen (bei Hunden „heiseres Bellen“) oder zu schlucken – dies ist während späterer Phasen der Krankheit typisch. Der Anblick von Wasser kann Anfälle mit Spasmen des Rachens und Kehlkopfs hervorrufen. Der produzierte Speichel kann nicht mehr abgeschluckt werden und bildet Schaum vor Mund oder Maul. Die Hydrophobie (Angst vor Wasser, Anm. d. Red.) und die Schluckbehinderung verhindern die Verdünnung des Virus, was seine Virulenz erhöht. Geringste Umweltreize, Geräusche, Licht führen zu Wutanfällen, Schreien, Schlagen und Beißen, wobei das – hochkonzentrierte – Virus schließlich übertragen wird.

Quelle: Wikipedia, Tollwut, Krankheitsverlauf beim Menschen.

2 bis 10 Tage nach den ersten Symptomen stirbt der Mensch.

Ein Hund mit Tollwut-Symptomen. Die Hinterbeine sind Gelähmt und die Zunge hängt heraus. Der Hund wirkt apathisch.
(Bild: Ein an Tollwut erkrankter Hund. Quelle: CDC, Lizenz: public domain.)
Erkrankte Haushunde können dabei besonders aggressiv und bissig werden, sind übererregt, zeigen einen gesteigerten Geschlechtstrieb und bellen unmotiviert („rasende Wut“). Später stellen sich Lähmungen ein, die zu heiserem Bellen, Schluckstörungen (starkes Speicheln, Schaum vor dem Maul), Heraushängen der Zunge führen und infolge Lähmung der Hinterbeine kommt es zum Festliegen. Die Phase der „rasenden Wut“ kann auch fehlen und die Tollwut gleich mit den Lähmungserscheinungen beginnen („stille Wut“). Es kommen auch atypische Verläufe vor, die zunächst einer Magen-Darm-Kanal-Entzündung (Gastroenteritis) gleichen.

Quelle: Wikipedia, Tollwut, Krankheitsverlauf beim Tier.

Auch bei Hunden endet die Krankheit mit dem Tod.

Tollwut in Asien

Die Angst vor auf Menschen übertragbare Tierseuchen (Zoonosen) kommt in China nicht von ungefähr. Neben SARS (Schweres Akutes Atemwegssyndrom) und der sogenannten „Vogelgrippe“ ist China auch besonders stark von Tollwutfällen betroffen. Gemäß einem Bericht der US Amerikanischen CDC kommen mehr als 80% der weltweit gemeldeten Tollwutfälle aus China. In den letzten Jahren kann China die zweithöchste Infektions- und Todesrate an Tollwuterkrankungen bei Menschen verzeichnen. Seit 1950 hat es in China 4 Tollwutepedemien gegeben. Alle traten in ca. 10 Jahres Abständen (1956–1957, 1965–1966, 1974–1975 und 1982–1983) auf. Mehr als 100.000 Menschen starben allein China an der Seuche. Rund die Hälfte aller Todesfälle sind zwischen den Jahren 1980 und 1990 zu verzeichnen. Seit 1997 gibt es wieder einen Anstieg der Todesfälle durch Tollwut wobei die Jahre 2003 und 2004 die Höhepunkte der Epidemie mit bis zu 2.651 Todesfällen pro Jahr dar stellten.

Graphik mit der Verbreitung der Tollwut in Chinas Provinzen. Im Südwesten des Landes häufen sich die Erkrankungsfälle mit mehr als 150 Fälle pro Jahr, während in Nordosten weniger als 20 Fälle pro Jahr registriert werden.
(Bild: Die meisten Tollwutfälle in China kommen im Südwesten des Landes – abgegrenzt im Nordosten durch den Jangtse Fluß – vor. Quelle: CDC.)
Domestizierte Hunde spielen in China bei der Tollwutübertragung eine entscheidende Rolle. 85%–95% aller Tollwutinfektionen beim Menschen führen auf Hundebisse zurück. 50%–70% aller Tollwutfälle beim Menschen kommen in ländlichen Gegenden vor. Die Hunde dort leben sehr nah beim Menschen und gleichzeitig besitzen sie eine hohe Bewegungsfreiheit. Bei Untersuchungen von 283 Hunden wurden 5 positive Fälle von Tollwuterregern im Gehirngewebe gefunden. Anfang 2005 wurden z. B. 6 tollwutinfizierte Hunde aus Chongqing gemeldet. Diese Hunde waren nicht geimpft und hatten zuvor 15 andere Hunde und 52 Menschen gebissen …

In China leben nach Schätzungen ca. 80–200 Millionen Hunde. In ländlichen Gegenden wird fast kaum geimpft. Es mangelt der Bevölkerung an Verständnis über die Gefahr der Tollwut und auch an Geld für die Impfung. Erschwerend kommt hinzu, daß die Hunde in ländlichen Gebieten praktisch keine Hundeleinen kennen und die Tiere sich stets frei bewegen können. Jedoch am bedeutsamsten ist, daß Menschen nach einem Hundebiß keine qualifizierte und ausreichende Nachbehandlung durchführen lassen. Die Landbevölkerung ist zu arm und kann sich keine medizinische Behandlung leisten. Zudem ist die Erwartung in eine Prophylaxe gering und der Zugang zu Medizin ist wegen der Abgeschiedenheit oft beschwerlich.

Nach den zur Verfügung stehenden Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind regelmäßig 30%–60% der Opfer eines Hundebisses in endemischen Tollwutgebieten Kinder unter 15 Jahren.

Ein kleiner Junge trägt einen Hund im Arm. Beide sehen traurig aus.
(Bild: Besonders betroffen von der Seuche sind arme ethnische Minderheiten wie dieser Yi-Junge. Das Bild wurde aufgenommen in der Stadt Lijiang in den Bergen der Provinz Yúnnán im Mai 2007. Mit freundl. Gen.: © Boaz Images, alle Rechte vorbehalten.)
Doch trotz der Prävalenz der Hunde bei der Verbreitung der Tollwut wurde auch über andere erkrankte Tierarten berichtet. Darunter Nutztiere wie Rinder, Schweine, Schafe aber auch Hirsche, Füchse, Ratten und Fledermäuse.

Die CDC kommt zu dem Schluß, daß eine Impfung der Hunde in ländlichen Gebieten eine substantielle Reduzierung der Tollwuterkrankungen beim Menschen zur Folge haben würde. Die Organisation empfiehlt daher eine staatlich finanzierte, gesetzlich vorgeschriebene Registrierung, Impfung und Sterilisierung von Hunden in ländlichen Gebieten. Wenn die medizinische Infrastruktur in ländlichen Gebieten verstärkt wird, insbesondere durch besser ausgebildetes Personal und eine bessere Verfügbarkeit von Impfstoffen und Tollwut-Antikörper, kann dank China das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Reduzierung auf die Hälfte der weltweiten Tollwutfälle bis 2015 erreicht werden.

Viele asiatische Staaten, darunter Japan, Korea, Taiwan, Malaysia und Singapur haben die Tollwut durch Tierbestandskontrollen und Impfungen gänzlich ausgerottet. Einer Studie der Medizinischen Gesellschaft von Thailand aus dem Jahr 2004 zufolge (PDF, ca. 86 KB), konnte ein Ausbruch der Tollwutseuche auf der Indonesischen Flores-Insel eine massenhafte Tötung von Hunden ohne eine intensive Impfkampagne der überlebenden Hunde, nicht verhindert werden.

In Indien konnten vorläufige Studien (PDF, ca. 702 KB) nachweisen, daß das Einfangen, Kastrieren, Impfen und wieder frei lassen von Hunden die Tollwutfälle bei Menschen reduzieren konnte.

Aktuelle Entwicklung

Ein kleinerHund wartet neben dem Stuhl seines Besitzers in einem chinesischen Straßenrestaurant.
(Bild: Auch in China ist für die meisten Menschen der Hund der beste Freund des Menschen. Foto: via Flickr, Lizenz: CC-by-nc-nd.)
Ein Sprecher des Chinesischen Gesundheitsministeriums sagte Mitte November 2007, daß Regierungsstellen „besonnen“ sein würden, wenn sie Befehle ausgeben würden, um Hunde in einer Tollwutepidemie zu töten. Doch „wenn medizinische Experten urteilen, daß eine Epidemie schwere und begründete Gefahren für die Menschen zur Folge hat, ist das Töten von Hunden eine wichtige Maßnahme zum Schutz der Gesundheit und zum Eindämmen der Epidemie“, sagte der Sprecher des Ministeriums Mao Qun'an. „Aber diese Maßnahmen sollten in einer besonnenen Weise ergriffen werden“, fügte er an und bemerkte, daß die Tötung hauptsächlich kranke und streunende Hunde betrifft. Das Aufziehen von Haustieren im Rahmen des Gesetzes sei ein bürgerliches Recht, aber Hundehalter sollten Schritte zum Schutz vor Tollwut unternehmen – zum Schutz ihrer eigenen Gesundheit und die ihrer Nachbarn, ergänzte der Sprecher. Diese Aussagen widersprechen jedoch den eingangs erwähnten Berichten Britischer und US Amerikanischer Medien.

In der Pressemitteilung hieß es außerdem, daß das Gesundheitsministerium in Zukunft mehr Aufmerksamkeit auf die Vorbeugung und Kontrolle der Krankheit in ländlichen Gebieten richten möchte und sicherstellen möchte, daß Tollwutimpfstoffe flächendeckend ausgeliefert werden.

Im Januar diesen Jahres ordneten chinesische Behörden laut einem Rundschreiben der Ministerien für Gesundheit und Landwirtschaft an, daß alle Hunde eine vorgeschriebene Impfung erhalten sollen. „Mit der steigenden Zahl und Dichte der Hunde in einigen Städten und ländlichen Gebieten sind weniger als 10% der Tiere geimpft gegen Tollwut“, hieß es in dem Rundschreiben. Angesichts dieser sehr ernsten Situation haben die Ministerien eine Verstärkung der Anstrengung und eine gesetzliche Impfpflicht aller Hunde angeordnet. Alle geimpften Hunde erhalten eine einheitliche Bescheinigung und werden entsprechende Abzeichen tragen. Die Aufforderung zur gesetzlichen Impfung stützt sich auf das kürzlich geänderte Gesetz zur Vorbeugung von Tierseuchen, daß seit dem 1. Januar in Kraft getreten ist und an alle Tierhalter in China gerichtet ist. In dem Rundschreiben wurde noch mal klar gestellt, daß von dem Gesetz auch ausdrücklich Haustiere betroffen sind. Alle Anforderungen in dem Gesetz seien „geeignet für Haustiere“.

Ein kleines Mädchen ißt auf Straße auf einem Hocker sitzen ein Mahl. Vor ihr sitzt ein kleiner Hund und sieht ihr zu. Im Hintergrund steht ihr rosa Fahrrad.
(Bild: Fotograf: Adam Cohn, Lizenz: CC-by-nc-nd.)
Wie das neue Impfgesetz in der Praxis aussieht, ist noch unklar. Wer trägt die Kosten für die Impfung? Werden sich arme Menschen eine Impfung leisten können und was passiert, wenn nicht? Was geschieht mit herrenlosen Hunden? Große Tierschutzorganisationen wie PETA oder Animals Asia Foundation waren leider zu keiner Stellungnahme bereit. Zweifellos wird das neue Gesetz eine gewisse Zeit der „Durchdringung“ benötigen. Es bleibt zu hoffen, daß diese Zeit möglichst wenig Opfer bringt.

Sollte tatsächlich ein Land wie China auf Proteste der eigenen Bevölkerung und der Tierschützer aus aller Welt reagiert haben? Wer weiß. Vielleicht sind es aber gerade die Olympischen Spiele, welche die Regierung beeinflußt hat und die die vermeindichen Auslöser der drastischen Maßnahmen waren. Die Welt schaut in diesem Jahr auf China, aber Bilder von abgeschlachteten Hunden sind nicht gerade gut für das Image.

Augment

Hierzulande stoßen derartige Massentötungen auf Unverständnis. Das liegt zum einen daran, daß wir in Westeuropa ein ausgesprochen gutes Impfregime haben. Zum anderen aber auch daran, daß wir besser über die Krankheit Tollwut informiert sind, bessere medizinische Versorgung für uns und unsere Vierbeiner zur Verfügung haben und letztlich wahrscheinlich auch bei Hundebissen – bzw. Verletzungen durch Tiere allgemein – wesentlich sensibler reagieren. Das lässt sich im Wesentlichen auch daran belegen, daß die Zahl der Tollwutfälle auf dem europäischen Kontinent in einer Achse entlang der Oder drastisch variiert.

Weil die Tollwut hierzulande auf sehr wenige Einzelfälle beschränkt ist, sehen immer mehr Tierhalter keine Notwendigkeit in einer Impfung. Doch gerade weil es in Westeuropa bisher ein sehr gutes Impfprogramm gab, konnte die Seuche sich hier nicht ausbreiten. Man sollte sich einfach vorher mal die schrecklichen Bilder und Zahlen aus China in Erinnerung rufen, bevor man sich entschließt, sein Haustier nicht zu impfen.

Eine Tierberstandskontrolle und das neue Impfprogramm kann in China die stetig wachsende Hundepopulation sinnvoll ergänzen. Zu Zeiten Mao Zedongs galten Hunde als Symbol bürgerlicher Dekadenz. Heute leben allein im Stadtgebiet Beijing rund 708.300 registrierte Hunde und die Bürger von Beijing geben jährlich rund 60 Millionen US$ für ihre Hunde aus. Entgegen der hiesigen landläufigen Meinung dienen diese Hunde jedoch nicht als Speisevorrat. Der Verzehr von Hunden kommt lediglich in einigen südlichen Regionen Chinas vor.

Die Statue eines Fu Hundes aus der Stadt Fuzhou. Diese Tiere sind ein Fabelwesen in China und eine Mischung aus Hund und Löwe.
(Bild: Sehr bekannt in China ist der sog. Foo-Hund oder auch Fu-Hund, Tempellöwe, Chinese Foo-Dog, heiliger Hund von Sinkiang, chinesischer Drachenhund oder Löwenhund. Er ist Beschützer und Glücksbringer zugleich. Fotografin: Caro, Lizenz: CC-by-nc-nd.)
In der Symbolik der chinesischen Kultur steht der Hund für den Westen sowie mitunter auch für Reichtum. Alles Dinge, die zu Maos Zeiten verachtet waren, aber immer mehr an Popularität gewinnen. Auch kommt dem Hund eine gewisse Rolle im Bereich des Exorzismus zu: Dem Volksglauben nach müssen Dämonen, die mit Hundeblut bespritzt werden, ihre wahre Gestalt offenbaren.

Nun, Hundeblut ist in China in den letzten Jahren in Massen geflossen. Es dürfte nicht schwer fallen, den wahren Dämon der Seuche zu entlarven.

Kommentare

(Die hier wiedergegebenen Kommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Kommentare werden von uns nicht auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft.)

Atom Newsfeed der Kommentare (Hilfe).

Von: isabel (23.08.2008 um 18:55 Uhr)
E-Mail: schmatz8@web.de

Das ist echt fiies das in china die hunde aufe der STRA?E erschlagenw erden !!!

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: Josephine Wahrmann (04.11.2008 um 23:35 Uhr)
E-Mail: josi@brbmail.de

ich finde es total traurig das die armen tiere sowas angetahn wir ich bin der meinung das die menschen es verdient habe genau so behandelt zu werden wie sie die hunde und katzen behandeln.
kein lebewesen hat es verdient so zu sterben egal ob gesund oder krank.
wir wollen doch auch nicht so behandelt werden und die tiere erst recht nicht.
solche menschen sollte man ech einsperren die teire wollen doch nur nin frieden leben wie wir auch und ein schönes zuhause haben ich kann das nicht verstehen.
ich hasse tierquäler und das wird sich auch nicht ändern.

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: assia (09.01.2009 um 23:06 Uhr)
E-Mail: big-assia@hotmail.de

das is ma so richtig hart von euch was ihr mit dennnnn armen hunden und katzen macht ihr sollst dann genau soo behandelt werden wie die

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: elli (14.01.2009 um 21:50 Uhr)

gott das is ja furchtbar,wie kann man sowas nur verantworten,die gehörn an die wand gestellt,ich bin schockiert..

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: claudia (30.01.2009 um 22:17 Uhr)

das geht echt gar ned, wie kann man sowas nur einen lebewesen antun. ich weiß gar nicht wie man es schaffen sowas übers herz zu bringen?!
der schlimmste "parasit" auf der welt ist der mensch.

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: Sophie (14.05.2009 um 16:55 Uhr)

Ich finde es grausam und schokierend wie die tiere da behandelt werden!!!!! Ich hoffe das, das bald ein ende hat!!!!! mir tuhen die Tiere soo leid!!!! Ich würd am liebsten alle mitnehmen und retten!!! hoffendlich werden alle gerettet und bekommen ein zuhause!!!

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: Hanna (17.05.2009 um 18:43 Uhr)

Ja, die Hunde tun mir auch Leid. Sie zu töten ist keine Lösung, dadurch stirbt die Tollwut auch nicht aus. Das einzig effektive wäre, die Tiere einzufangen, in Quarantäne zu nehmen und, wenn sie nicht mit Tollwut infiziert sind, zu kastrieren und wieder frei zu lassen.

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: Kenji (03.08.2009 um 19:32 Uhr)
E-Mail: kenjihattori@gmx.de

Endlich auch ein Artikel in dem gesagt wird das nicht alle Chinesen so etwas tun. Hier in Europa werden alle Asiaten sehr häufig in eine Schubladde gepackt und als Tierquäler und Hundefresser dargestellt. Nur leben dort viel mehr Leute (1,3 MILLIARDEN) das hat natürlich zur Folge das dort auch mehr Irre rum rennen als hier.

Und bitte seit so lieb und lasst uns Japaner, die Hunde als Götter verehren aus solchen Sachen raus. In Japan genießen Hunde und Katzen sogar noch einen höcheren Stellenwert als hier in Europa. Laut dem Shintoismus (unserer Religion) sind Hunde und Katzen Gottheiten. Die durch Statuen und Schreine gehuldigt werden. Schonmal vom Shiba-Inu gehört? Ist ne Japanische Hunderasse und eine der ältesten Hunderassen der Welt.

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: sebby (22.11.2009 um 17:15 Uhr)
E-Mail: sebastian-scheller@web.de

was ist das für eine mistgeburt der arme hund ich weine nur darüber ich finde es schlimm ich ahbe auch ein hud ich würde es nie amchen

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: Johanna (10.02.2010 um 11:18 Uhr)
E-Mail: freundin98@web.de

Ich finde das total grausam!
Wie kann man das nur den armen Tieren antun. Solche Leute gehören eingesperrt!
Es geht nicht. Das ist so unfair die armen Tiere. Nur wegen der Tollwut als ob die dann weg wäre. Nein das ist sie bestimmt nicht.

(Spam oder Missbrauch melden)

(Maximal 1500 Zeichen!)

Funktionen: