Anfang August wurde die ca. 10.000 m² große Brachfläche zwischen Britzer Kanal, Forsthausallee und Baumschulenstrasse als Hundefreilaufplatz frei gegeben. Hintergründe zur Entstehung dieses Platzes liegen noch nicht vor. Auffallend an diesem Platz ist jedoch, daß er, nicht wie andere Hundefreilaufplätze in Berlin, umzäunt ist, sondern nur durch eine Kette von Schildern als „Hundeauslaufgebiet“ gekennzeichnet ist. Dafür liegt dieses Gelände nicht in einem Park, sondern auf einer Brache auf dem ehemaligen Grenzstreifen (Berliner Mauerweg). Als Begrenzung dieses Platzes dient im Nordosten ein Zaun zu einer Kleingartenkolonie, im Süden der Britzer Kanal und im Westen ein Fußweg.
Der Verein Hundefreunde Friedrichshain e. V. hat für die Ortsgruppe Treptow-Köpenick mit dem Bezirk einen Vertrag abgeschlossen. Der Inhalt des Vertrag ist nicht bekannt. Es kann jedoch angenommen werden, daß dieser Vertrag ähnliche Konditionen hat, wie die Verträge für die Plätze in Friedrichshain oder für die Inselhunde in Schöneberg. Demnach sind die Verträge zeitlich begrenzt und jederzeit kündbar. Der Verein hat ein Hausrecht auf dem Platz und ihn öffentlich zugänglich zu halten. Außerdem hat er für Sauberkeit auf dem Platz zu sorgen. Letzteres könnte noch viel Arbeit für die Hundefreunde bedeuten, denn aus dem Boden ragen stellenweise Kabelreste hervor, die eine hohe Verletzungsgefahr dar stellen. Die Verschmutzung hält sich jedoch in Grenzen.
Die Ortsgruppe Treptow-Köpenick der Hundefreunde Friedrichshain e. V. hat nun eine weitere Initiative für ein Hundeauslaufgebiet in der Königsheide gestartet. Mit einer Postkartenaktion soll der Landestierschutzbeauftrage Dr. Lüdcke an seinem Versprechen erinnert werden, mehr Auslaufgebiete im Ostteil der Stadt zu schaffen.
Der Landestierschutzbeauftrage Dr. Lüdcke sagte gegenüber Hunde in Berlin zu dieser Aktion: „Hundeauslaufgebiete sind ein wichtiges Anliegen, aber wir werden sicherlich kaum Akzeptanz der Hunde bei Nichthundehaltern erreichen, wenn wir ganze Parks zu Auslaufgebieten erklären. Ich wäre zufrieden, bestimmte Teile als ‚Hundegarten‘ o. s. ä. zu gewinnen.“ Dabei verwies er auf das Konzept des Projektbüros Stadt und Hund für einen Hundegarten (Beispiel für solch einen Hundegarten findet sich am Schäfersee in Reinickendorf).
Entgegen der Stellungnahme von Dr. Lüdcke ist die Königsheide jedoch kein Park, sondern ein Waldgebiet und untersteht den Berliner Forsten. Das ein friedliches Miteinander zwischen Hundehaltern und Nichthundehalter in einem Waldgebiet möglich ist, zeigt Europas größtes und ältestes Hundeauslaufgebiet Rund um den Grunewaldsee. Hundehalter und Nichthundehalter nutzen diesen Wald seit über 80 Jahren gemeinsam. Kritik wird nur von Besuchern laut, die nicht wissen, daß dort ein Hundeauslaufgebiet ist oder ein grundsätzliches Problem mit Hunden haben.
Doch die Königsheide ist nicht der Grunewald. Die Nutzungsgewohnheiten und -erwartungen sind andere, obwohl der Wald überwiegend von Hundehaltern und Joggern besucht wird. Mehrere anliegende Kindertagesstätten nutzen die Königsheide seit langem für ihre Spaziergänge. Da drin liegt ein großes Konfliktpotential für ein mögliches Hundeauslaufgebiet. Manche ErzieherInnen werden nicht mehr so freundlich, wenn ihnen dort ein unangeleinter Hund begegnet.
Wie beliebt die Königsheide unter den anliegenden Kindereinrichtungen ist, lässt sich an diversen Aktivitäten im Wald beobachten. So wird z. B. jährlich zu Weihnachten von den Kindern einer Kita ein Weihnachtsbaum für die Tiere mit Möhren u. ä. Dingen geschmückt.
Bei der Diskussion über Hundeauslaufgebiete scheint es jedoch immer wieder eine Begriffsverwirrung über „Hundeauslaufgebiete“, „Hundefreilaufplätze“, „Hundespielplätze“ und „Hundegärten“ zu geben. Was ein Hundeauslaufgebiet ist, hat die Initiative Berlins praktizierender Tierärzte auf ihrer Internetseite ausführlich dargestellt. Die Tierärzte haben das natürliche Verhalten des Hundes als Maßstab für ein Hundeauslaufgebiet herangezogen. Im Ergebnis stellten sie dann u. A. fest:
Eine gute Grundlage stellt ein Rundweg von ca. 6 km Länge dar. Er sollte zusätzliche Ausweichmöglichkeiten durch Abzweigungen bieten, die wieder auf den Hauptweg zurückführen. Dies ist notwendig, damit die Besitzer dem einen oder anderen Hund zur Konfliktvermeidung aus dem Weg gehen können. Eine ideale Variante stellt ein zusätzlicher äußerer Rundweg dar, der durch Querwege mit dem inneren verbunden ist.
Zusätzlich sollten zwei bis drei freie Flächen vorhanden sein, auf denen sich Hundehalter mit sich gut verstehenden Hunden in Spielgruppen zusammenfinden können. Unter Berücksichtigung von Rennspielen sollten die Flächen mindestens 1.000 m² Grundfläche aufweisen, die dann zur selben Zeit 1–2 Gruppen von 5–6 Hunden Platz bieten.
Alles andere, was oft als „Auslaufgebiet“ bezeichnet wird, entspricht nicht den Anforderungen der Berliner Tierärzte – oder besser gesagt, den Anforderungen an eine artgerechte Hundehaltung. „Hundefreilaufplätze“, „Hundespielplätze“ oder „Hundegärten“ sind keine Auslaufgebiete. Sie können jedoch, da wo der Platz für ein Auslaufgebiet nicht vorhanden ist, für Bewegung, Sozialkontakte, Erholung und ggf. sportliche Betätigung sorgen. Mehr können und mehr sollen diese Plätze auch nicht leisten.
Einige Hunde-Aktivisten sehen in der Forderung nach mehr Auslaufgebieten und Hundefreilaufplätzen aber auch eine Gefahr. Sie befürchten „Hamburger Verhältnisse“ hier in Berlin. In Hamburg wurden, in der Stadt verteilt, über 100 kleine Hundefreilaufplätze errichtet und im Gegenzug ein genereller Leinenzwang in der ganzen Stadt eingeführt.
Hundeauslaufgebiete sind gut und wichtig. Ein Hundefreilaufplatz kann ein Auslaufgebiet nicht ersetzen, jedoch ergänzen und ist in Ballungsräumen eine sinnvolle Möglichkeit, dem Hund etwas ungezwungenen Freilauf zu verschaffen. Aber gerade in dicht besiedelten Räumen brauchen Hundehalter beide Möglichkeiten: den Hund über längere Strecken unangeleint zu führen und einen geschützten Platz für Sport, Spiel und Sozialkontakte. Das unangeleinte Führen eines gut erzogenen Hundes ist problemlos auf den meisten Fußwegen in Berlin möglich. In Kombination mit einem Hundefreilaufplatz oder Hundespielplatz kann die Leinenfreiheit in Berlin einen Kompromiss für ein Auslaufgebiet bieten – jedoch nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen.
Hundefreilaufplätze oder Hundeauslaufgebiete können aber mehr leisten. Sie können andere nahe gelegene Wald- und Grünflächen entlasten. Ein offizielles Auslaufgebiet in der Königsheide würde sicher mehr Hundehalter vom Plänterwald oder vom Treptower Park „weg locken“ und somit dort – vor allem im Sommer – mögliche „Konfliktherde“ verringern. Auch die Ordnungsämter könnten sich dann um andere wichtige Dinge kümmern. Außerdem sorgt ein ungezwungener Freilauf für körperlich entspannte und sozial verträgliche Hunde. Diese Aufgaben kann ein Fußweg nicht erfüllen.
Da der Bezirk mit dem uneingezäunten Freilaufplatz an der Forsthausalle schon viel Mut zu innovativem Denken bewiesen hat, böte doch vielleicht auch die Königsheide die Möglichkeit, neue Wege auszuprobieren. So wäre es denkbar, daß die Königsheide nur zu bestimmten Zeiten ein Hundeauslaufgebiet ist, nämlich dann, wenn die Kitas ihre Spaziergänge erledigt haben.
Anlagen:
Michaela Pietrzik von den Hundefreunden Berlin-Treptow/Köpenick schreibt in einer Mail an Hunde in Berlin:
Der Auslaufplatz in Baumschulenweg wurde uns nur vorübergehend zugesprochen, bis Geld für die Erweiterung des Landschaftsparks da ist. Die Schilder sind ein freundliches Entgegenkommen. Ich würde gern das Geld für die Erweiterung des Landschaftsparks, für die ordentliche Beräumung der Fläche und einen Zaun befürworten. Deshalb gilt es dranzubleiben und, oder einen Teil der Königsheide zum Auslaufgebiet zu fordern. Im Moment gibt es eine verstärkte Präsenz des Ordnungsamtes in der Königheide um die Frequetierung durch Hundehalter zu prüfen (oder Geld in die leeren Kassen Berlins zu spülen?). Wir brauchen mehr Aktive, also guckt mal unter http://hundefreundeBT.sebjo.de!
(Die hier wiedergegebenen Kommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Kommentare werden von uns nicht auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft.)
Von: m.dietrich (14.12.2007 um 16:41 Uhr)
Ohne Zaun empfinde ich den Platz als schlechten Scherz. Sollten da ein paar Hunde toben, wäre es ein guter Plan schon mal genügend Schwimmwesten in verschiedenen Größen bereitzustellen.
Obwohl ich es aus Adlershof nicht sehr weit hätte, finde ich den Platz indiskutabel und fahre lieber bis zum Grunewald.
Von: m. siegsmund (29.07.2008 um 21:48 Uhr)
Schrecklich, wie die Königsheide von intoleranten Hundehaltern frequentiert wird. Mit den Kindern dort Fahrrad zu fahren, grenzt an fahrlässige Körperverletzung. Ich weiß, die Hunde brauchen Auslauf, wenn man diesen aber nicht bieten kann, haben Hunde in der Stadtwohnung nichts zu suchen.
Von: C. Schroeder (31.08.2008 um 15:32 Uhr)
E-Mail: contact@claudia-schroeder.eu
Wieso immer der Konfrontationskurs?
Wieso meinen alle entweder Hund oder Menschen? Oder noch enger: Hund oder Kind?
Ich durfte nun in einem Jahr feststellen, dass sich vor allem kleine Kinder - und bei diesen bleibt mir als Hundehalterin zuerst das Herz stehen - sich in der Regel instintiv richtig verhalten.
Genauso wie Hunde von ihrem Halter, lernen Kinder von ihren Eltern. Häufig genug leider aus Sicht des Hundes das Falsche. Ab etwa 6-8 Jahren fangen Kinder plötzlich an, sich vor Hunden zu fürchten, häufig ohne schlechte Erfahrung und verhalten sich dann falsch.
Selbstverständliche Aufgabe des Halters ist es den Hund so zu erziehen, dass er Menschen immer freundlich begegnet.
Wenn sich dann der Mensch vernunftbegabt und denkend verhält, kann nichts passieren.
Und dann sollten Kinder und Hunde ein Waldgebiet, in dem es auch so gut wie kein Wild gibt, das der Ruhe bedürfte, gemeinsam nutzen können, ohne dass es zu Zusammenstößen kommt.
Von: Michael Kuss (16.10.2007 um 10:19 Uhr)
E-Mail: kus.info@gmx.com
Bei aller Freude über den durch Schilder abgetrennten Hundeauslaufplatz an der Forsthausallee bleibt ein Nachteil: Da der Platz nicht eingezäunt ist, können Hunde die paar Schritte rüber in den "öffentlichen und für Hunde strikt verbotenen Park" ausbüchsen. Und schon geht die Diskussion mit den Hütern des Ordnungsamtes los. Die momentane Lösung ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss.
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