Probleme mit Protesten gegen Hundeverbote

Veröffentlicht: 19.08.2010 um 17:15 Uhr
Autor: Guido Zörner

Der Ärger um für Hundehalter_innen gesperrte Grünanlagen hält weiter an. Der Berliner Tierschutzverein hat nun eine Petition ins Leben gerufen. Die Idee finde ich gut. Aber bei genauem Hinsehen, bekomme ich Bauchschmerzen.

Anfangs war ich begeistert von der Idee, dass der Berliner Tierschutzverein eine Unterschriftenkampagne gegen die Hundeverbote in den Grünanlagen startet. Bestimmten Gruppen von Menschen das Betreten von öffentlichen Grünanalgen zu verbieten, ist auf keinen Fall akzeptabel. Sicher mag es Probleme mit uneinsichtigen Hundehalter_innen in den Parks geben. Sie einfach zu verbieten, schießt über das Ziel einer Regulierung hinaus. Genauso schießen die Forderungen der Tierschützer_innen über das Ziel hinaus.

Zum Verständnis hier erst mal der Text der Petition:

Berlin verfügt über 109.000 gemeldete Hunde. Doch die rund 30 Hundeauslaufgebiete reichen für die Hauptstadt nicht aus. Vor allem in der Innenstadt fehlt es an Plätzen und Wiesen, auf denen Hunde unbeschwert toben und spielen können. Verschärft wird das Problem durch Vertreter der Bezirksämter, die Flächen gänzlich für Hunde sperren wollen. Wir, die Unterzeichner, fordern von den Verantwortlichen in Senat und den Bezirken, von derartigen Vorhaben Abstand zu nehmen und Konzepte zur Schaffung neuer Hundeauslaufgebiete zu erarbeiten.

Quelle: www.tierschutz-berlin.de/.../Petition_Hundeauslaufgebiete.pdf (PDF, 56 KB)

Auf den ersten Blick hört sich der Text vielleicht ganz gut an. Bei näherem Hinsehen zeigen sich jedoch einige Probleme.

Seit unserer Kampagne für den Einwohnerantrag für neue Hundeauslaufgebiete in Treptow-Köpenick haben wir stets darauf hingewiesen (und begründet), dass Hundespielplätze, Hundegärten oder ähnliches keine Hundeauslaufgebiete sind. Ein Hundeauslaufgebiet ist etwas wie Grunewald oder Arkenberge. Ein Areal also, dass ausgedehnte Spaziergänge ermöglicht. Eine Hundewiese im Park ist kein Auslaufgebiet! Genau das wird aber gesagt und es wird suggeriert, dass irgendwo eine kleine Hundewiese ausreicht, um den Hund ausreichend Bewegung zu verschaffen. Das ist aber nicht richtig.

Die Tierärztin und Verhaltenstherapeutin Karina Mahnke, beschreibt die Mindestanforderungen für ein Hundeauslaufgebiet wie folgt:

Eine gute Grundlage stellt ein Rundweg von ca. 6 km Länge dar. Er sollte zusätzliche Ausweichmöglichkeiten durch Abzweigungen bieten, die wieder auf den Hauptweg zurückführen. Dies ist notwendig, damit die Besitzer dem einen oder anderen Hund zur Konfliktvermeidung aus dem Weg gehen können. Eine ideale Variante stellt ein zusätzlicher äußerer Rundweg dar, der durch Querwege mit dem inneren verbunden ist.

Zusätzlich sollten zwei bis drei freie Flächen vorhanden sein, auf denen sich Hundehalter mit sich gut verstehenden Hunden in Spielgruppen zusammenfinden können. Unter Berücksichtigung von Rennspielen sollten die Flächen mindestens 1.000 m² Grundfläche aufweisen, die dann zur selben Zeit 1–2 Gruppen von 5–6 Hunden Platz bieten.

Quelle: Freilauf ohne Grenzen – ein Auslaufmodel? auf vet-doktor.de.

Das diese Anforderungen im Bereich der Innestadt illusorisch sind, dürfte jedem klar sein. Trotzdem werden alle Begriffe in einen Topf geschmissen. Irgendetwas wird schon dabei heraus kommen. Nur die tatsächlichen Bedürfnisse der Hunde bleiben auf der Strecke.

Es gibt Probleme mit uneinsichtigen und verantwortungslosen Hundehalter_innen in den Grünanalgen (genauso wie in den Auslaufgebieten). Aber, sowohl das Aussperren dieser Menschen, als auch das „Wegsperren“ auf Hundewiesen löst die Probleme nicht, sie verlagern sie nur. Wir müssen dahin kommen, dass die Hundehalter_innen mehr Verantwortung für ihre Hunde und ihre Mitmenschen übernehmen. Genau das lässt die Forderung der Tierschützer_innen aber vermissen. Im Gegenteil sogar. Liest man zwischen den Zeilen könnte man glauben, die Hunde müssten in Grünanlagen frei laufen, da es zu wenige legale Freilaufflächen gibt. Damit spielt man aber wieder die Argumente in die Hände der Hundegegner_innen.

Natürlich ist der Ärger unter den Hundehalter_innen groß und der Druck auf die Tierschützer_innen ebenso. Und natürlich ist auch die Versuchung der Vereine groß, mit dem Ärger Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Ich würde mir jedoch sehr wünschen, dass in Zukunft mehr Sachlichkeit in die Debatte kommt. Es gibt tatsächlich funktionierende Lösungen. Das Schlüsselwort lautet: Bewohner_innen_aktivierung. In Nordneukölln haben wir gute Ergebnisse damit erzielt und das von uns erarbeitete naturverträgliche Nutzungskonzept für Hundeauslaufgebiete geht in die selbe Richtung. Man muss nur Mut zum Anpacken haben und keine Scheu vor harter Arbeit.

Ich zweifle nicht daran, dass die Tierschützer_innen vom TVB nicht gerade begeistert sind, dass ich sie wieder mal in die Parade fahre. Ein wohlmeinender Brief an die Geschäftsstelle wäre aber mindestens ebenso wohlmeinend in der Ablage verschwunden. Ich hoffe, dass auf diese Weise ein wenig Bewegung in die Diskussion kommt und für alle Beteiligten akzeptable Lösungen dabei heraus kommen.

Kommentare

Atom Newsfeed der Kommentare (Hilfe).

Von: Jörg (24.08.2010 um 00:25 Uhr)

Wie schön, dass man heutzutage nur mit einer Unterschrift sein Gewissen erleichtern kann. Früher mussten die Leute noch auf Demos gehen oder Bürgerinitiativen gründen und selber etwas unternehmen.

Der Tierschutzverein wird uns alle erretten!

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: Kickdemdogs (24.09.2010 um 10:29 Uhr)

Ich möchte _als Mensch_ die Grünanlagen in Berlin nutzen können und mich dazu vielleicht auch mal ins Gras und auf die Wiese setzen. Dabei möchte ich nicht Gefahr laufen, mich in Hundepisse oder noch schlimmer -kacke zu setzen. Das ist nicht nur ekelhaft, sondern auch gesundheitsschädlich.
Hunde haben daher in diesen Grünanlagen NICHTS verloren. Leider MUSS man solche Verbote gesetzlich festlegen und mit Strafen versehen, weil die Hundehalter auf ihre Mitmenschen keine Rücksicht nehmen.

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: Petra Michalke (24.09.2010 um 19:07 Uhr)

Ich setze mich mit meinen 2 Kindern auch gerne auf die Wiese. Ich möchte mit meinen Hunden aber auch gerne im Park spazieren gehen und sie dort auch ohne Leine mit anderen Kommunizieren lassen. So wie es im Moment ist lässt jeder seinen Hund da laufen, wo er hofft kein Ordnungsamt zu treffen. Ich bin für einzelne ausgewiesene Liegewiesen ohne Hunde und der Rest des Parks sollte auch für Hunde ohne Leine zugänglich sein!

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: Bernd (30.11.2010 um 18:52 Uhr)

Kickdemdogs liegt dafür liebend gerne zwischen Grillresten, zerschlagenen Flaschen und sonstigen menschlichen Hinterlassenschaften die ebenso ekelhaft und gesundheitsgefährdend sind.

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: Kein Hundebesitzer ! (11.12.2010 um 14:53 Uhr)
E-Mail: khb@gmx.net

Kickdemdogs will die Grünanlagen und Parks benutzen? Wie groß müssen den die Schilder noch sein, damit solche Knaller erkennen, daß das auch keine Liegewiesen sind?!
Wenn schon Strafen für Hunde, dann bitte auch für diese vielen Kickemdogs in Berlin, die der Meinung sind sie dürfen das. Ich nehme Wetten an, die Masse dieser Nörgler sind zugezogene Schwaben. Wenn ihr euch auf Wiesen sühlen wollt, dann ab retour Richtung euer Dorf !!!

(Spam oder Missbrauch melden)

Von: Laura (09.01.2011 um 15:14 Uhr)

Meine Güte, wie viel Hass mittlerweile in Berlin herrscht! Egal ob Urberliner, Schwabe, Sachse, Schleswig-Holsteiner, Pfälzer, Hundebesitzer, Familie ohne Hund oder Hundehasser, der Punkt ist doch, dass alle, die einem nicht passen, nur weil Sie Hund oder Kind oder nichts von beidem besitzen, über einen Kamm geschert werden. Es kann doch nicht sein, dass man verachtet und beschimpft wird, nur weil man einen Hund an deiner Leine hat, obwohl man jedes Häufchen beseitigt und der Baum aufgrund von Urin auch nicht stirbt. Schluss mit dem Egoismus und dem Hass auf Leute, die nichts für ihre Herkunft können. Jeder der hier so sinnlos kritisiert, sollte sich entweder den Stock aufs dem Arsch ziehen oder raus aus Berlin. Solche "Alleshasser" vertreiben sogar die Berlin, die fühlen sich mittlerweile so unwohl, dass Sie raus aus der Stadt ziehen. Schließlich wollten doch alle ursprünglich nach Berlin, weil hier alle so tolerant sind. Nur leider merkt man davon als Einwohner Berlins gar nichts mehr! Also geht doch einfach, wenn ihr nur Toleranz für euch selbst aufbringen könnt! Kauft euch einen Aussiedlerhof, da stört euch wirklich niemand und nichts!!!

(Spam oder Missbrauch melden)

(Maximal 1500 Zeichen!)

Funktionen: