Geschlossene Versammlung

Veröffentlicht: 16.10.2008 um 23:40 Uhr
Autor: Guido Zörner

Am 11. Oktober 2007 fand der 1. Berliner Tierschutztag im Roten Rathaus, veranstaltet vom Berliner Tierschutzbeauftragten, statt. Ein kleiner persönlicher Bericht.

Eigentlich war es ja der 3. Berliner Tierschutztag, denn die Grünen haben 2004 und 2005 auch schon einen „Berliner Tierschutztag“ veranstaltet. Aber dieser war eben nicht von den Grünen, sondern vom Tierschutzbeauftragten von Berlin.

Im Großen Saal des Roten Rathauses sollten ab 10 Uhr Vorträge zu verschiedenen Tierschutzthemen gehalten werden und um 15 Uhr sollte der 1. Tierschutzpreis in Berlin für engagierte ehrenamtliche Tierschützer vergeben werden. Anschließend sollte eine Podiumsdiskussion mit Vertretern von im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien statt finden.

Nebenbei stellten sich einige Tierschutz- und Umweltorganisaionen im Wappensaal des Rathauses vor.

Vor dem Haupteingang des Roten Rathauses stehen Doktor Klaus Lüdcke und Wolfang Apel und blicken in Richtung Alexanderplatz
(Bild: Dr. Klaus Lüdcke (links) und Wolfang Apel vor dem Roten Rathaus)
Nach der Eröffnungsrede von dem Landestierschutzbeauftragen Dr. Klaus Lüdcke und einem Grundsatzreferat von dem Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, folgten 3 relativ interessante Fachvorträge.

Der erste Vortrag hatte die Kutschpferde in Mitte zum Thema. Die Referentin Dr. Yvonne Gall, Amtstierärztin aus Mitte, bemängelte mangelndes Fachwissen bei den Tierfreunden, die immer wieder angeblich vermeintliche Misstände anzeigen und somit für die Vollzugsdefizite in der Behörde mit verantwortlich sind. Das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Eine von einer Tierfreundin zur Anzeige gebrachte Schürfwunde und Lahmheit bei einem Pferd endete mit dem Kommentar einer Amtstierärztin, dass bei den Tieren alles in Ordnung sei. Natürlich war – wenn es nach Dr. Gall geht – auch hier die Tierfreundin nicht kompetent, die Schürfwunde und die Lahmheit zu diagnostizieren und hat dadurch die Arbeit der Amtstierärzte unnötig behindert.

Der darauf folgende Vortrag handelte über „Tierversuche und Tierschutz“ und wurde von Dr. Heidemarie Ratsch vom Landesamt für Gesundheit referiert. Es war eine interessante Bestandaufnahme über Tierversuche in Berlin. Mit vielen Zahlen und Fakten wurde aufgezeigt, was sonst hinter verschlossenen Türen passiert.

Nach einer Mittagspause folgte der Vortrag „Mensch und Tier in Berlin. Tierschutzprobleme, Lösungsvorschläge und Empfehlungen“ von Diana Plange, Fachtierärztin für Tierschutz und amtliche Tierärztin im Bezirksamt Spandau. Im Wesentlichen war dieser Vortrag sehr Interessant, denn er machte viele Vorschläge, wie die Arbeit der Amtstierärzte besser gemacht werden könnte. Es gab einige Details, die ich anders sah, aber das würde hier jetzt nicht ganz passen.

Höhepunkt der Veranstaltung sollte die Verleihung des 1. Berliner Tierschutzpreises sein.

Der Preis ging an die Schriftführerin des Berliner Tierschutzvereins Christiane Bernhardt. Gewürdigt wurde in der Laudatio von dem Landestierschutzbeauftragten vor allem ihr Einsatz für die Berliner Stadttauben und ihr Engagement im Tierschutzbeirat des Berliner Senats, im Berliner Jagdbeirat sowie im Fischereibeirat. Wenn man bedenkt, dass 2 der 3 Mitglieder der Jury ebenfalls Mitglied im Berliner Tierschutzverein sind (Dr. Lüdcke und Wolfgang Apel) dann scheint diese Wahl nicht sonderlich überraschend.

Schade finde ich jedoch, dass es eine Menge Tierschützer gibt, die diesen Preis mindestens genauso verdient hätten. Jedes Engagement für die Tiere in allen Ehren! Aber die Hände hat sich die Preisträgerin – glaubt man der Laudatio – nicht schmutzig gemacht. Anders als viele andere Tierschützer, die gewissermaßen „an der Front“ kämpfen und auch schon mal Entscheidungen über Leben und Tod treffen mussten. Meiner Meinung nach hätten diese Menschen einen solchen Preis eher verdient. Aber das ist nur meine persönlich Meinung!

Zufällig kenne ich einen weiteren Vorschlag für den Tierschutzpreis. Michaela von den Hundefreunden Treptow hat Katja B., eine Tierschützerin aus Treptow, vorgeschlagen. Leider wurde sie nicht einmal eingeladen.

Ein zusätzlicher Ehrenpreis ging an Isolde Kaufmann, die sich sei mehr als 60 Jahren aktiv dem Tierschutz widmet. Die Zusammenfassung ihrer Biographie liest sich eher wie die einer „Soldatin für die Tiere“.

Die ganze Veranstaltung schien bis hier einen eher geschlossen Charakter gehabt zu haben. Die Hauptrollen spielten der Berliner Tierschutzverein bzw. der Deutsche Tierschutzbund, die Tierversuchsgegner Berlin-Brandenburg und in der Nebenrolle der Bund gegen Missbrauch der Tiere. Der Rest schien sich irgendwie hier hin verirrt zu haben.

Das Podium und ein Teil der Zuschauer. Zu den abgebildeten Personen siehe Fließtext.
(Bild (v. l. n. r.): Dr. Klaus Lüdcke, Ines Krüger, Katrin Lompscher, Daniel Buchholz, Claudia Hämmerling, Thomas Ziolko, Guido Zörner. Zum Vergrößern das Bild anklicken.)
Nach der Verleihung der Preise folgte noch eine sehr kurze Podiumsdiskussion mit Vertretern der im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien. Für DIE LINKE nahm die Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Frau Katrin Lompscher teil. Die SPD wurde von Daniel Buchholz vertreten, für Bündnis 90/Die Grünen kam Claudia Hämmerling, für die CDU war stellvertretend Thomas Ziolko anwesend. Für die FDP durfte ich Mirco Dragowski vertreten.

Erwähnenswert ist, daß die CDU durch einen Handstreich erreichte, dass die vom Veranstalter ausgeladenen Vertreter des Berliner Zoos und des Tierparks doch noch anwesend waren. Nämlich als Vertretung von Gregor Hoffmann (CDU) setzten sie den Vorsitzenden der Gemeinschaft der Förderer von Tierpark Berlin und Zoologischem Garten Berlin e. V. und Präsidiumsmitglied der Gemeinschaft der Deutschen Zooförderer, Thomas Ziolko (auch CDU), gleich mit auf das Podium. Ich fand es jedoch schade, dass eine sachliche Auseinandersetzung zum Thema Zoo und Tierpark anscheinend von den Veranstaltern nicht gewollt war.

Dickes Lob an dieser Stelle an die Moderatorin Ines Krüger. Ohne sich selbst zu publizieren, hat sich die Runde in der sehr knappen Zeit erstklassig im Griff gehabt.

Ich hatte die Gelegenheit, die Arbeit der seit Juli existierenden Arbeitsgruppe „Tierhaltung, Tierschutz und Tierrechte“ der Berliner FDP vorzustellen (dessen Sprecher ich bin). Die liberale Tierschutzarbeit ist aber eigentlich viel älter (8 Jahre um genau zu sein). Zu meinem bedauern habe ich mich auch noch bei den Berliner Amtstierärzten unbeliebt gemacht. Die eigene Erfahrung (z. B. Bohnsdorf) zeigt aber, dass nicht selten Amtstierärzte sehr unmotiviert überlastet sind und daher personell kaum in der Lage, Missstände im Tierschutz aufzuklären. Die Vorschläge, die ich gemacht habe, nämlich ein Qualitätssicherungssystem für Amtstierärzte mit grundlegenden Dokumentationspflichten, stieß erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe.

Mein Fazit von der Veranstaltung: Ich hoffe, beim nächsten Mal wird es besser. Auch sollten andere Tierschutzorganisationen sich dort mehr Gehör verschaffen.

Kommentare

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Von: Katja (18.10.2008 um 14:12 Uhr)
E-Mail: kb@hundeinberlin.de

Diesem Statement kann ich mich nur anschließen. Man kam sich vor wie bei einem "Heimspiel" des Berliner Tierschutzvereins...

lg Katja

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Von: Katzenfreund (04.11.2008 um 10:42 Uhr)

Der Tierschutzverein für Berlin war ja auch Mitveranstalter und hat sehr viel Arbeit in diesen Tag investiert. Dies darf ruhig mal gewürdigt werden.

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Von: Plange (11.11.2008 um 19:14 Uhr)

Wie schon auf der Veranstaltung gesagt:
Es ist sehr einfach " Die Amtstierärzte" als unmotiviert an den Pranger zu stellen und für die Vollzugsdefizite verantwortlich machen zu wollen. Ausgerechnet aus dem Munde eines Politikers kommt der Vorschlag unsere Arbeit überprüfen zu wollen.
Gegenvorschlag an die Politik:
Schaffen Sie erst einmal eine mindestens genügende Anzahl von Tierärzten in den Ämtern die dann auch den Tierschutz sicher stellen können, bevor Sie sich gedanken darüber machen ob die wenigen die da sind Tierschutz wollen
grüßt
Diana Plange

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Von: Guido Zörner (13.11.2008 um 00:02 Uhr)
E-Mail: redaktion@hundeinberlin.de

Sehr geehrte Frau Plange,

es tut mir Leid, wenn meine Äußerung etwas zu negativ erscheint. Ich habe sie daher etwas entschärft. Es war keineswegs mein Anliegen, die Amtstierärzte generell als "unmotiviert" dar zu stellen. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Fällen, die mir vorliegen (und an denen ich teilweise selber investigativ beteiligt war), die diesbezüglich Fragen offen lassen. Gerne bin ich bereit, ihnen diese Fälle persönlich vorzustellen. Diese haben primär auch nichts mit meiner politischen Arbeit zu tun. Ihre Forderung nach mehr Personal bzw. eine Entlastung der Mitarbeiter in den Ämtern halte ich für durchaus gerechtfertigt und unterstütze sie auch.

Ich vermute, dass auch Sie prinzipiell nichts gegen Qualitätsverbesserung haben. Ihren Worten entnehme ich, dass sich Ihre Kritik ausschließlich aufgrund der personellen Ausstattung der Ämter begründet. Bedenken Sie bitte, dass eine gutes(!) QS-System nicht das Ziel hat, die "schlechtesten" Mitarbeiter an den Pranger zu stellen, sondern in erster Linie Vertrauen beim Kunden (bzw. in der Bevölkerung) herstellen soll. Etwas das - wie ich meine - sehr wichtig ist für die Arbeit eines Amtstierarztes.

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Von: Diana Plange (13.05.2009 um 10:55 Uhr)

Sehr geehrter Herr Zörner,
sicherlich ist Ihnen bekannt, das ein QS-System in den Berliner Veterinärämtern etabliert wurde und auch der Tierschutzbereich demnächst integriert wird.
Auch das wird allerdings am Grundproblem Personalmangel nichts ändern.
Kennen Sie das Gutachten des Herrn RA Kemper zum Thema Garantenstellung der Mandats- und Entscheidungsträger ?
Sicherlich eine beachtenswerte Einlassung zum Thema Verantwortung für bestehende, bekannte Misstände.
Mit praxisorientierten Grüßen
Diana Plange

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