Am Ende des Regenbogens

Veröffentlicht: 13.09.2008 um 17:00 Uhr
Autor: Guido Zörner

Wenn der Staat Geld zu verschenken hat, dann ist erwartungsgemäß dem Ideenreichtum der Menschen, die gerne etwas von dem Gold am Ende des Regenbogens haben möchten, keine Grenzen gesetzt – möchte man meinen. Wie dieses Gold zu bergen ist, wurde am Donnerstag auf einer Informationsveranstaltung des Quartiersmanagements Reuterplatz vorgestellt.

Unter dem Motto „Wie aus Ideen konkrete Projekte werden“ lud das Quartiersmanagement Reuterplatz am 11.09.2008 zu einer Informationsveranstaltung mit Diskussion ein. Laut Einladung sollte es um die Themen gehen: welche Fördermöglichkeiten gibt es im Quartier, wie viel Fördermittel stehen zur Verfügung und welche Projekte werden überhaupt gefördert.

Nicht ohne den Hintergedanken, für unseren Verein auch ein Projekt im Kiez gefördert zu bekommen, nahm ich interessiert an der Veranstaltung teil. Es wurde zunächst der Unterschied zwischen den einzelnen Fonds erläutert, welche Voraussetzungen die einzelnen Fonds stellen und wie man eine Förderung beantragt. Außerdem wurde sehr kurz auf die Prioritätenliste für Projekte des Programms „Soziale Stadt“ des Quartiersbeirates Reuterkiez eingegangen, in der festgelegt wurde, welche Art von Projekte gefördert werden.

Zur großen Überraschung der an der Veranstaltung teilnehmenden Akteure wollten dann aber die Mitarbeiter des Quartiersmanagements, dass die Projektideen der Teilnehmer dann in der Runde vorgestellt werden und einer eigenen Prioritätenliste unterstellt werden. Dabei muss man wissen, dass Förderanträge für QF 2 und QF 3 Gelder (ab 1.000 € bzw. ab 10.000 €) zunächst von einer Steuerungsrunde beurteilt werden und dann dem Quartiertsbeirat bzw. den Arbeitsgruppen zur Entscheidung vorgelegt werden. Warum nun das Quartiersmanagemnt von den Akteuren selber eine Prioritätenliste verlangt, habe ich nicht verstanden, zumal die Abstimmung über die Liste alles andere als demokratisch verlief. Es wurde z. B. völlig ignoriert, daß einige Projektvertreter zu zweit oder dritt anwesend waren, die dann für ihr Projekt doppelt oder dreifach abstimmen konnten. In meinen Augen ein ziemlicher Eklat.

Was dabei herauskam war dann klar. Meine Projektidee „Aktivierung der Hundehalter im Kiez zu sozial verantwortlichem Handeln im Bezug auf die Nutzung von Hundekottüten und der Erziehung und Verträglichkeit der Hunde insbesondere bei sozial schwachen Hundehaltern“, dass von der QM-Moderation zu einem schlichten „Hunde-Hundehalter-Projekt“ umbenannt wurde, landete abgeschlagen in den hintersten Plätzen (6 von 19 Stimmen). Nun sei es drum – das letzte Wort ist hier sicher noch nicht gesprochen.

Was mich aber trotzt des frustrierenden Ergebnisses doch sehr Nachdenklich gemacht hat ist, dass das Thema Hundekot und „Wohlverhalten“ der Hunde und Hundehalter bei den Akteuren und Anwohnern vor Ort im Kiez praktisch nicht von Interesse ist – ja sogar nicht mal von Belang ist. Schaut man sich die Prioritätenliste der Akteure an, so stehen dort ganz oben Themen wie Gewaltprävention an Schulen, Integration, Bildung, Kinder- und Jugendförderung – und das auch völlig zu Recht.

Die ganze so genannte „Hundeproblematik“ scheint demnach nichts weiter als ein künstlich aufgeputschtes Thema zu sein, daß von einigen Journalisten und Politikern ständig am Kochen gehalten wird.

Somit hat die Prioritätenliste des Quartiersmanagement vielleicht doch einen tieferen Sinn gehabt?

Am Ende des Regenbogens lässt sich nicht nur ein Topf voll Gold finden, sondern auch immer ein kleiner gemeiner Kobold, der darauf aufpasst.

Kommentare

Atom Newsfeed der Kommentare (Hilfe).

Von: Michaela (24.09.2008 um 16:18 Uhr)
E-Mail: hundefreunde-bt@freenet.de

Ich war gestern in der Bödickerstrasse in Friedrichshain. Trotz Hundekottütenhalter eine vollgeschissene Strasse. Peinlich!
Es muss eine Idee her, wie man die Menschen dazu bekommt, die Hinterlassenschaften der Hunde tatsächlich zu beseitigen. Wie macht man also aus Scheiße Gold, das jeder sofort aufhebt? Ideen her - statt Ordnungsgelder. Wem was einfällt, bitte melden!

(Spam oder Missbrauch melden)

(Maximal 1500 Zeichen!)

Funktionen: