Hunde in Berlin auf Abwege

Veröffentlicht: 04.09.2008 um 22:40 Uhr
Autor: Guido Zörner

Es soll ja Menschen geben, bei denen hört der Tierschutz ab der Größe einer Katze auf. Nicht jedoch bei der Berliner Tierärztekammer – in einem Videoprojekt zeigt sie nun zum 3. Mal ihr Herz für Kleintiere. Raten Sie mal, wer dieses Videoprojekt realisiert.

Profil mit Gesicht, Hals und oberer Panzer der Schildkröte, die ein Wenig versteckt im Graß sitzt. Die grünen Augen deuten auf ein Weibchen (Männchen haben braune Augen). Die Schildkröte zeigt eine charakteristische Musterung: Gelbe Streifen und Punkte auf dunklem Grund.
(Bild: Kopfstudie einer weiblichen Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis), Szenenbild des Videos „Reptilien“.)
Der Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit der Tierärztekammer Berlin hat nun zum 3. Mal ein Videoprojekt in Auftrag gegeben, daß den tierschutzgerechten Umgang und die artgerechte Haltung von Kleintieren lehren soll. Die ersten beiden Filme – sie handelten über Kaninchen sowie Vögel – habe ich zusammen mit HiB.TV gemacht. Gezeigt wurden sie auf der Grünen Woche (2006 & 2007) auf dem Stand der Berliner Tierärztekammer.

Das aktuelle Projekt handelt über Reptilien und ich bin diesmal alleine damit beschäftigt.

Warum – werden Sie sich vielleicht fragen – beschäftigt sich Hunde in Berlin jetzt mit Reptilien? Das Problem mit den Kleintieren ist, daß sie keine Lobby im Tierschutz haben. Hunde haben eine Lobby, Katzen, Schweine und Pferde auch. Aber die Kleintiere verrecken zu Tausenden in kleinen Behältnissen oder Verschlägen, werden vergiftet, verbrannt, zerfetzt oder einfach zu psychisch Kranken herangezogen. In den Tierarztpraxen ist kaum eine Grausamkeit bekannt, die diesen Tieren nicht widerfahren könnte: Schildkröten, die als Hundespielzeug dienten, Schlangen mit schwersten Verbrennungen von ungeschützten Lampenfassungen oder zerfetzte Innereien oder Missbildungen durch falsche Ernährung. Alles nur deshalb, weil sich die Menschen keine Gedanken vor der Anschaffung der Tiere machen. Reptilien sind halt super „exotisch“.

Daher halte ich es für einen guten Ausgleich zu der sonst „üblichen“ Tierschutzarbeit, sich auch mal um die Tiere zu kümmern, die keine Lobby haben und für die kaum jemand auf die Straße geht. Daher auch meinen ganz großen Respekt gegenüber den Mitgliedern der Kammer, die den Mut haben, sich in der Öffentlichkeitsarbeit vorrangig um die „Minderheiten“ zu kümmern.

Fachlich unterstützt werde ich übrigens von O. V. Rat Dr. med. vet. Lutz Sassenburg von der Tierärztlichen Klinik für Klein- und Heimtiere in Berlin-Biesdorf. Der Fachtierarzt für Reptilien ist nicht nur fachlich ein hervorragender „supporter“, sondern besitzt auch die Gabe, einen für ein Thema zu begeistern. In diesem Sinne dürfen Sie also sehr gespannt auf das Ergebnis sein.

Premiere des Videos wird wieder die Grüne Woche der Stand der Tierärztekammer im Januar 2009 sein. Bis dahin müssen sich die Fans gedulden. ;-)

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