
Erstaunlich dabei war zu sehen, wie es eine doch nicht geringe Anzahl Menschen gibt, die bewußt die schreckliche Realität verdrängen bzw. sie ignorieren, um nur nicht in die Verlegenheit zu geraten, am eigenen Lebensstil etwas ändern zu müssen. Faszinierend war auch der Typ, der aufmerksam dem Lied über die Qualen der Mastschweine lauschte, während er genüßlich eine Currywurst aß. Ich glaube eigentlich nicht, daß dieser Mensch in der geistigen Lage war, zwischen beiden einen Zusammenhang herzustellen.
Ein Schwerpunkt der Kundgebung war auch die Vorstellung des Versuchstiers des Jahres 2007: die Ratte im Alkoholversuch.
Ratten werden in praktisch allen Bereichen in Versuchen missbraucht. Ein Teilgebiet stellt die tierexperimentelle Alkoholforschung dar. Die Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg haben sich auf dieses Gebiet konzentriert und die Erkenntnisse aus 15 Jahren dieser Art der Forschung ausgewertet. Neben entsetzlichem Tierleid konnte keinerlei Nutzen für die klinische Medizin – und damit werden die Versuche ja begründet – gefunden werden.
Problematisch an der tierexperimentellen Alkoholforschung ist laut den Tierversuchsgegnern, daß es keinen methodischen Nachweis der „Wirksamkeit“ dieser Experimente gibt. Im Gegenteil. Viele Experimente ließen sich überhaupt nicht auf Menschen übertragen. Dabei gibt es heute schon eine Vielzahl tierversuchsfreier Forschungsmethoden, wie z. B. bildgebende Verfahren, Untersuchung pathologischen Materials oder Bevölkerungsstudien.
So gut und richtig die Ziele der Tierversuchsgegner sind, ich finde jedoch, daß es in deren Argumentation auch eine kleine Lücke gibt. Im Kampf gegen die Volksdroge Nr. 1 – dem Alkohol – wird den Betroffenen oft nahe gelegt, sich in eine psychotherapeutische Behandlung zu begeben, um die vermeintlichen Ursachen der Krankheit zu bekämpfen. Psychische oder soziale Probleme sind jedoch nicht unbedingt eine Ursache für Alkoholismus. (Sie können aber eine Folge davon sein.) Da drin besteht ein großes Mißverständnis. Wer mit Alkoholabhängigen nur irgendwelche „gescheiterten Existenzen“ in Verbindung bringt, irrt gewaltig. Sehr viele Alkoholiker leben, arbeiten und „funktionieren“ in der Gesellschaft – ohne daß jemand von ihrer Krankheit die geringste Ahnung hat.
Eine große Chance für Betroffene wäre eine medikamentöse Substitution, wie beispielsweise bei der Raucherentwöhnung das Nikotinpflaster. Doch das derzeitige Therapiesystem ist in dieser Beziehung ziemlich rückständig.
Ich bin der Meinung, daß im Kampf gegen die Tierversuche auch der Mensch im Auge behalten werden muß. Die Rechte der Tiere und der Menschen dürfen nicht gegeneinander aufgewogen werden.
Von: Alex (26.04.2010 um 23:12 Uhr)
E-Mail: freericks@googlemail.com
Alle Lebewesen sollten die gleichen Rechte haben und der Mensch sollte sich nicht einbilden die anderen Tiere unterjochen zu dürfen.Tiere sind unschuldig und wir Menschen grenzen ihren Lebensraum schon genug ein.
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