Das Paradies geschlossen

Veröffentlicht: 20.04.2008 um 23:55 Uhr
Autor: Guido Zörner

In genau einer Woche entscheiden die Berliner über die Zukunft des Flughafen Tempelhofs. Über die Optionen ohne Flugfeld wurde viel diskutiert. Doch was für Perspektiven bietet eine Umgestaltung des Flugfeldes für Hundehalter?

Kinder spielen auf einer großen, grünen Wiese, ein Drache fliegt in der Luft, Schmetterlinge tollen herum und ein 1,20 Meter großer bunter Vogel sieht aus, als wenn er zu viel Pot geraucht hat. So stellen sich die Flughafengegner die Zukunft des Tempelhofer Feldes vor. Alle Berlinerinnen und Berliner sollen etwas davon haben – das suggerieren die Pläne der Aktivisten. Alle Berliner? Nein, für Hundehalter scheint es keine Zukunft auf dieser Fläche zu geben.

Panorama des heutigen Tempelofer Feldes. Im Vordergrun die rieseige Freifläche mit den Start- und Landebahnen und den Rasenflächen. Im Hintergrund das historische Flughafengebäude, daß sich in seiner Größe fast über das ganze Bild ausdehnt.
(Bild: Panorama des Tempfelhofer Feldes. Quelle: Chris TOEKY)
Im Herbst 2007 hat es auf einer Webseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einen „Ideen Online Dialog 2007“ gegeben, bei dem jeder seine Ideen für das zukünftige Flugfeld formulieren konnte und andere Ideen bewerten konnte.

Die höchsten Bewertungen erhielten die Vorschläge für einen Baseball- und Softballplatz, einen Jugendspielplatz und ein Weltraumflughafen. Neben mehreren Vorschlägen, den Flughafen einfach beizubehalten gab es noch viele Vorschläge, die irgendeine Form von Gärten, Park oder Ackerfläche forderten.

Doch was ist mit den Hundehaltern in den angrenzenden Bezirken? Ein Vorschlag verlangte die Verlegung des Auslaufgebietes Grunewald nach Tempfelhof. Dieser Vorschlag landete bei den Bewertungen abgeschlagen im Mittelfeld – noch hinter einem Golfplatz und einem Campingplatz. Auch wenn er sich gut anhört, ist diese Idee doch viel zu abwegig. Die Chancen waren von Anfang an viel zu gering. Schade, denn die Hundehalter haben hier die Gelegenheit verpasst, mit einem moderaten und realistischen Vorschlag ihr Recht auf Leben in dieser Stadt einzufordern.

Ein weiterer – mit 0 Punkte bewerteter – Vorschlag möchte gerne eine „grüne Erlebnisoase“ auf dem Gelände. Ein Hundeauslaufplatz wird dabei mit eingefordert. Alle anderen Vorschläge, die in irgendeiner Weise Bezug auf Hunde nehmen, waren der Ansicht, Hunde hätten auf dem zukünftigen Tempelhofer Feld nichts zu suchen.

Wenn am 27. April die Bürgerinnen und Bürger im Volksentscheid abstimmen sollen, brauchen zumindest die Hundehalter kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie für den Flughafen stimmen. Für sie wird sich mit oder ohne Flughafen nichts ändern.

Kommentare

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Von: David (24.04.2008 um 13:06 Uhr)

Das Tempelhofer Feld haben sich die Investoren doch schon längst unter sich aufgeteilt. Der Senat fürchtet doch mehr, seine Zusagen nicht einhalten zu können, als das der Flugbetrieb weiter geht.

Dieser Ideenwettbewerb dient doch nur dem Zweck, die Leute (Wähler) anzufüttern. Ich glaube nicht, daß sich irgend jemand aus der SenV ernsthaft dafür interessiert, was die Menschen wollen.

Wenn dem so wäre, würden sie auch einem Volksentscheid für den Flughafen akzeptieren.

Ich werde am Sonntag für den Flughafen stimmen. Nicht weil ich möchte, daß der Flughafen bleibt (das ist mir eigentlich völlig egal), sondern weil mir die Arroganz und Selbstherrlichkeit der SPD, PDS und der Grünen einfach anwidern.

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