Alles fing so schön an. Voller Enthusiasmus startete im Herbst 2002 die „1. Internationale Fiffi-Parade“ in Berlin. Die Parade wurde maßgeblich organisiert von dem Verein Hundstage Berlin e. V., mit Unterstützung von der Initiative „Berliner Schnauze“ sowie Hunde in Berlin. Die Parade kam unter den Teilnehmen so gut an, daß im folgenden Jahr eine weitere Fiffi-Parade organisiert wurde, an der mehr als 3000 Hundefreunde teil nahmen.
Ein Jahr später sollte es jedoch keine Fiffi-Parade mehr geben. Die Hauptverantwortlichen hatten sich aus der Organisation zurück gezogen. Kurz nach bekannt werden der Absage meldete sich die Werbeagentur „Bello Media“ – auch Teilnehmerin der beiden Fiffi-Paraden – und wollte die Organisation der Parade fort führen. Darauf startete auch bald die erste „Bello-Parade“ (wenn ich mich richtig erinnere, in einem Autohaus). Das die Werbeagentur ihre Parade nicht auch „Fiffi-Parade“ genannt hat, konnte durch rechtzeitige Intervention des Vereins Hundstage Berlin e. V. verhindert werden. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellte. Denn zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, welche Ausrichtung die Veranstaltung der Werbeagentur nehmen würde und ob Hundstage Berlin e. V. nicht doch irgendwann einmal die Fiffi-Parade fortführen wird.
Obwohl ich mehr oder weniger nur am Rand mit der Organisation der beiden Fiffi-Paraden zu tun hatte, hoffe ich nicht, daß bei meiner folgenden Kritik an den Organisatoren der Bello-Parade allein meine Mitwirkung an der Fiffi-Parade als Grund für meine Ablehnung angesehen wird.
Hunde in Berlin wurde schon mehrfach auf die Bello-Parade hingewiesen. Oft mit der impliziten Bitte versehen, diese Veranstaltung in den Terminkalender aufzunehmen. Ich bin dem nicht nachgekommen, weil ich über diese Veranstaltung nicht unkommentiert berichten möchte. Und das aus folgenden Gründen.
Sehr sauer stößt mir der kommerzielle Charakter der Veranstaltung auf. Denn ganz offensichtlich hat die Werbung für diverse Produkte und Dienstleistungen einen mindestens ebenso hohen Stellenwert, wie die politische Aussage der „Demonstration“.
Der kommerzielle Charakter allein ist aber nicht der Grund. Vielmehr sehe ich die Probleme in zweierlei Hinsicht.
Es grenzt an eine Frechheit, daß unsere – in stunden- und nächtelanger Arbeit – verfassten Texte für die Fiffi-Parade praktisch geklaut wurden, um dann von einer Werbeagentur für ihre Zwecke verarbeitet zu werden. Neben dem Anmeldeformular finden sich auch in der Agenda der Bello-Parade viele Texte wieder, die ursprünglich aus unserer Hand stammten. Beispiele:
„Auf der Fiffi-Parade soll der Bevölkerung auf eine fröhliche Weise gezeigt werden, dass der Hund ein liebenswerter und wichtiger Begleiter in unserem Leben ist und so wieder eine größere Akzeptanz für Hunde in der Bevölkerung erreicht werden.“
„Die bello-parade soll auf eine fröhliche Weise zeigen, dass der Hund ein liebenswerter und wichtiger Begleiter in unserem Leben ist und so wieder eine größere Akzeptanz für Hunde und ihre Menschen schaffen.“
„Die Fiffi-Parade ist eine Liebeserklärung an die Hunde.“
„Die bello-parade ist eine Liebeserklärung an Hunde.“
„Hunde sind wichtige Sozial- und Gesundheitspartner vor allem für ältere oder kranke Menschen und machen sich nebenbei noch als Rettungs-, Spür- und Blindenhunde nützlich.“
„Hunde sind wichtige Sozial- und Gesundheitspartner. Vor allem für ältere oder kranke Menschen. Sie machen sich als Rettungs-, Spür- und Blindenhunde nützlich.“
Die kommerzielle Ausrichtung der Bello-Parade ist unverkennbar. Noch im letzten Jahr gab es zwischen Bello-Media und TMS Event GmbH, dem Veranstalter der Berliner Heimtiermesse, eine sehr enge Kooperation. Auch die Webseite bello-parade.de gehört offensichtlich TMS Event GmbH. Die Flyer aus dem letzten Jahr weisen darauf hin, daß die Bello-Parade praktisch eine Werbeveranstaltung für die Berliner Heimtiermesse war. In diesem Jahr liegt der Termin für die Messe im November. Zu spät für eine Bello-Parade. Daher muss wahrscheinlich die Parade diesmal ohne diesen Partner auskommen.
Wer die Gestaltung des Logos der Bello-Parade so eng an das Logo der Werbeagentur Bello-Media anlehnt, verfolgt damit zweifellos die Absicht, eine „öffentliche, gezielte und geplante Kommunikation der Information, der Motivation, der Überzeugung und der Manipulation eines definierten Kreises von Umworbenen zugunsten der Marktchancen eines Produktes oder des Images eines Unternehmens“ (Zitat von Otto Walter Haseloff) herbeizuführen. Auf gut Deutsch: Werbung zu machen.
Nun wird sicher diese Parade nicht als „Event“ durch die die Straßen ziehen. Sondern unter dem Schutz des Versammlungsrechts („Demonstrationsrecht“). Das bedeutet vor allem für den Veranstalter: keine Kosten für den Polizeieinsatz, keine Kosten für Straßenreinigung, keine teuren Genehmigungen etc. Wer die Probleme der Love-Parade kennt, weiß wovon ich rede. Eine derartige Veranstaltung unter dem Schutz des Artikel 8 unseres Grundgesetzes zu stellen – der Versammlungsfreiheit – halte ich für sehr verwegen. Denn Artikel 8 garantiert: „Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln“. Der Staat hat dieses Recht zu schützen und dafür zu sorgen, daß Versammlungen (unter bestimmten Voraussetzungen) möglich sind. Der Staat garantiert dieses Recht – zu recht – aber nicht bei Werbeveranstaltungen oder anderen kommerziellen „Events“.
Ich habe selber schon Demonstrationen angemeldet und durchgeführt. Ich weiß, wie schnell bei der zuständigen Behörde mal die eine Demo mit der Anderen „verwechselt“ wird, weil sie ein ähnliches Anliegen hat. Sollte daher irgendwann einmal das Referat Ordnungsbehördlicher Staatsschutz des Landeskriminalamtes Berlin (LKA 521) – die zuständige Berliner Versammlungsbehörde – sich die Bello-Parade einmal genauer anschauen, werden es andere Initiativen (z. B. die Pet Parade in Neukölln) in Zukunft möglicherweise schwerer haben.
Ein weiteres Problem habe ich mit den Veranstaltern. Zur Erklärung muss ich wieder etwas ausholen.
In unserem Adressverzeichnis finden sich Firmen, die ein gewisses Maß an Qualität bieten. Wir stellen dabei eine Art Filter zur Verfügung, der die Spreu vom Weizen trennen soll. Dieser Filter sind unsere Nutzungsbedingungen. Ein Ausschlußkriterium aus dem Verzeichnis (unter § 8) ist unter Anderem die Diskriminierung von Hunderassen oder die Förderung derselben. Sowohl Bello-Media als auch der Kooperationspartner der Bello-Parade, der Doggieshop aus Berlin, machen auf ihren Webseiten jedoch Werbung für Versicherungsagenturen bzw. -makler (Grafschmidt & Team bzw. IAK GmbH), die bestimmte Hunderassen diskriminieren. Denn beide Firmen bieten für Halter von Listenhunden etweder einen Zugang zu ihren Leistungen zu erhöhten Konditionen oder verwehren ihn ganz. Damit wäre das Ausschlusskriterium „bewerben von Leistungen, die eine bestimmte Hunderasse diskriminieren“ erfüllt – zumindest für das Adressverzeichnis. Für den Doggieshop besteht zusätzlich ein Verdacht wegen Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb aus dem Jahr 2005 (eine unverlangt verschickte Werbemail, die der Redaktion vorliegt). Das wäre in diesem Fall auch ein Ausschlussgrund für das Adressverzeichnis.
In unserem neu gegründeten Verein hat gerade eine Diskussion begonnen, wie wir in Zukunft mit den Regeln aus dem Adressverzeichnis umgehen werden. Derzeit gelten diese Regeln nur für das Adressverzeichnis. Es ist angedacht, diese Regeln auch auf den Terminkalender und ggf. andere Bereiche auf Hunde in Berlin anzuwenden. Demnach könnte in Zukunft eine Veranstaltung wie die Bello-Parade auch aus diesem Grund nicht im Terminkalender erwähnt werden. Aber auch andere Veranstaltung blieben durch diese Regeln in Zukunft unerwähnt.
Ich frage mich sowieso, wie Bello-Media und der Doggieshop es fertig bringen, „mehr Akzeptanz und Toleranz für Hund und Halter“ zu fordern, wenn sie auf der anderen Seite auf ihren Webseiten Angebote von Firmen bewerben, die der Diskriminierung von Hunderassen Vorschub leisten. Ich habe daher Zweifel, ob die Veranstalter sich mit ihrem Motto überhaupt einmal auseinander gesetzt haben und wirklich wissen, was sie da fordern.
Ich hoffe, ich habe nicht den Eindruck erweckt, meine Kritik richtet sich an die Teilnehmer oder an das Motto der Parade. Wer zu der Parade gehen möchte, um etwas Spaß zu haben oder um über seine Arbeit zu informieren, soll das gerne tun. Das hier geschriebene soll als offenes Wort an die Veranstalter gerichtet sein. Und vielleicht ist Hunde in Berlin ja bei der nächsten „Bello-Parade“ mit dabei.