Adressverzeichnis geöffnet

Veröffentlicht: 30.06.2007 um 23:55 Uhr
Autor: Guido Zörner

Seit gestern ist offiziell das Hunde in Berlin Adressverzeichnis geöffnet. Dieses Verzeichnis bietet Firmen, Organisationen und Freiberuflern aus der Region die Möglichkeit, kostenfrei ihr Angebot vorzustellen.

Besonders freue ich mich darüber, daß gleich am ersten Tag sich schon die erste Firma angemeldet hat. In der Kategorie Zoofachhandel darf die Groß- und Einzelhandel Denis Grasow (Nachtrag 01.08.2008: vormals Firma Sand-Schulz GmbH) Vertrieb von Orijen (Großandelsstützpunkt Berlin/Brandenburg) – vorerst – konkurrenzlos für sich werben.

Ich freue mich auch darüber, daß sich diese Firma nicht von unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen abschrecken ließ. Denn einen kleinen Haken hat der kostenfreie Eintrag nämlich schon. Wir möchten in Zukunft aktiv auf die Qualität der angebotenen Produkte und Dienstleistungen von Firmen in Berlin und Umland Einfluss nehmen – und sie verbessern. Dieses Adressverzeichnis ist der erste Schritt unserer Strategie.

Wesentliche Inhalte der Nutzungsvereinbarung (AGB) zwischen Hunde in Berlin und dem Inserenten lauten (verkürzt und vereinfacht):

Zu Punkt 1: Es dürfte ja im Prinzip klar sein, daß wir Anbietern aus der Region (Berlin und angrenzende Landkreise) den Vorzug geben. Erst wenn sich kein Anbieter findet, der es in das Adressverzeichnis „schafft“, können auch überregionale Anbieter eingetragen werden.

Zu Punkt 2: Dieser Punkt zielt vor allem auf einige Anbieter, die bestimmte Hunderassen (Listenhunde) den Zugang zu ihren Produkten oder Dienstleistungen verhindern oder erschweren. Doch was – werden Sie sich vielleicht fragen – hat das mit Qualität zu tun? Wir gehen davon aus, daß wenn ein Anbieter bestimmte Hunderassen benachteiligt oder diskriminiert, dann hat er sich nicht ausreichend mit dem Thema Hund beschäftigt. Ihm kann daher ohne weiteres eine gewisse Kompetenz in Sachen Hunde abgesprochen werden. Und das ist genau der Punkt, den wir in unseren Qualitätskriterien aufgenommen haben. Die Benachteiligung bestimmter Hunderassen, Rassegruppen, rassespezifischen Eigenschaften oder Hunde mit sonstigen anderen körperlichen Merkmalen, ist für uns ein Indikator für fehlende Fachkompetenz. Wer die Nutzungsbedingungen ließt, wird dort eine noch etwas feinere Differenzierung finden. Dazu einige Beispiele: Nehmen wir mal an eine Hundeschule, die den Zugang zu ihrem Angebot für Listenhunde teurer gestaltet, fällt eindeutig durch das Raster. Aber weniger Augenscheinlich wäre der Umstand, daß bestimmte Hunderassen in der Hundeschule nur mit Maulkorb trainiert werden. Auch auf die Lehrinhalte kommt es an. Die AGB sprechen hier von direkter oder indirekter Benachteiligung. Nun gibt es aber z. B. auch Versicherungen, die für große Hunde (körperliches Merkmal) teurere Beiträge für die Haftpflichtversicherung vorschreiben. Prinzipiell ist das auch ein Ausschlußgrund, es sei denn, der Anbieter kann entweder belegen, daß große Hunde öfters als kleine Hunde einen Schaden verursachen oder er bietet für diese Benachteiligung einen Ausgleich (in diesem Fall durch eine erhöhte Deckungssumme).

Ausgenommen von dieser Regelung sind Anbieter, die Produkte oder Dienstleistungen anbieten, die eine bestimmte Verwendungsform fördern sollen. Also der Shop für Schlittenhundebedarf z. B. diskriminiert natürlich keine anderen Hunderassen, weil er nur Sachen für Schlittenhunde verkauft.

Zu Punkt 3: Dürfe sich selber erklären. Ausgeschlossen wären dadurch z. B. Preisvergleichsseiten oder andere Anzeigendienste. Der Hundehalter, der hier nach einer Information sucht, soll die gesuchten Produkte oder Dienstleistungen direkt und ohne Umwege finden.

Zu Punkt 4: Auch Hundezüchter können in das Adressverzeichnis aufgenommen werden. Bei denen, die dem VDH angeschlossen sind, können wir am ehesten davon ausgehen, daß diese Züchter einer verbandsinternen Qualitätsaufsicht unterliegen. Wir wollen auf jeden Fall verhindern, daß dubiose Tierhändler und Vermehrer hier im Adressverzeichnis stehen.

Zu Punkt 5: Der Import von Hunden aus Ost- oder Südeuropa hat in der letzten Zeit drastisch zugenommen. Oft wird das dadurch begründet, den Hunden, denen es in ihrer Heimat wirklich schlecht geht, zu helfen. Immer öfters wird aber auch statt des ehernen Tierschutzes ein reiner Tierhandel unter dem Deckmantel des Tierschutzes betrieben. Es ist heute praktisch nicht mehr zu unterscheiden, welche Tierschutzorganisation den Tieren in ihrer Heimat wirklich helfen will und welche nur mit dem Handel Geld verdienen möchte. Außerdem hilft der massenweise Export von Hunden den Tieren in ihrer Heimat nicht wirklich. Selbst in den Tierheimen vor Ort wird immer fleißiger vermehrt – weil sich die armen und gequälten Hunde so gut verkaufen lasen. Von den Problemen, welche die neuen Tierbesitzer mit diesen Hunden haben, möchte ich jetzt nicht anfangen. Deutsche Tierheime sind jedenfalls gut besetzt mit chronisch kranken oder für unsere Verhältnisse fehlgeprägten Hunden. Aus diesen Gründen kommen derartige „Tierschutz“-Vereine nicht in das Adressverzeichnis.

Zu Punkt 6: Dieser Punkt dürfte auch im Sinne des Kunden sein. Gerade im Bereich Hundeausbildung und alternative Hundemedizin tummeln sich die fantastischsten Berufsbezeichnungen. „Diplom Tierheilpraktiker“, „Hundepsychologe“ etc. sind keine offiziellen, staatlichen Titel. Wer nach einem vierwöchigen Wochenendkurs ein „Diplom“ in die Hand bekommt, darf sich hier noch lange nicht „Diplom XY“ nennen.

Zu Punkt 7: Auch bei bekannten Verstößen gegen das Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb, wird der Anbieter nicht aufgenommen bzw. bei späteren Bekanntwerden gelöscht. Hier sollen eindeutig die Regeln des freien und fairen Handels gelten. Dazu zählen vor allem der Ausschluß unrechtmäßiger Werbemethoden.

Zu Punkt 8: Dieser Punkt dürfte auch wieder die Frage aufkommen lassen: Was hat das mit Qualität zu tun? Netzwerkmarketing basiert oft auf sog. Schneeballsystemen und ist in Deutschland verboten (siehe auch Information der Berliner Polizei und den MLM-Beobachter). Dennoch gibt es einige Firmen, die dieses Geschäftsmodell sich zu eigen gemacht haben. Und im Bereich Hundefutter ist mir auch ein Unternehmen bekannt, die dieses Geschäftsmodell anwendet. Zum Ausschlußkriterium wird Netzwerkmarketing deshalb, weil 1. vor allem das Geldverdienen der betreffenden Unternehmen oder der Direktvertreter im Vordergrund steht und 2. die Direktvertreter in der Regel keine Ausbildung oder sonstige geprüfte Qualifikation besitzen. Die Vertreter sind allein darauf geschult, möglichst viel von dem Produkt zu verkaufen und noch weitere Vertreter anzuwerben. Das ist mit unserem Qualitätsgedanken nicht zu vereinbaren.

Zu Punkt 9: Die Begründung ist ähnlich dem vorherigen Punkt. Wenn das Produkt oder die Dienstleistungen an „Technologien“ geknüpft ist, wie sie in den Organisationen Scientology und Universelles Leben gelehrt werden, stehen auch hier wieder andere Interessen im Vordergrund. Die Interessen sind hier: Geld verdienen und Anhänger werben. Kompetenz und Qualität sind dabei nebensächlich. Siehe auch Mit Gebeten und Gemüse für die Tiere? Informationen über das „Universelle Leben“.

Das hört sich vielleicht alles sehr kompliziert an. So viele Regeln für die paar Unternehmen? Wer soll sich denn auf so etwas einlassen? Ich denke, daß trotz dieser umfangreichen Bedingungen mehr als 95% aller Firmen, Organisationen und Freiberufler in Berlin und den angrenzenden Landkreisen, die Produkte oder Dienstleistungen für Hundehalter anbieten, es in dieses Adressverzeichnis „schaffen“ können. Sicher sollte sich jeder, der sich hier eintragen möchte, die AGB durchlesen. Ein Grund zur Abschreckung sollten sie jedoch nur für die Wenigsten sein.

Wir möchten, daß sich die Unternehmen mit dem Thema Qualtätsverbesserung aktiv beschäftigen und darüber hinaus mit ihren Kunden in einen offenen Dialog stehen und sie als selbstbestimmte, mündige und gleichwertige Geschäftspartner wahr nehmen.

Was die praktische Umsetzung der Nutzungsbedingungen betrifft, sind wir auch auf die Hundehalter angewiesen. Bitte melden Sie uns Verstöße gegen die Aufnahmebedingungen. Dann kann dieses Adressverzeichnis zu einer richtig wertvollen Informationsquelle für Hundehalter werden.

Unser Ziel ist es, mittel- bis langfristig den Unternehmen, die Wert auf Qualität und Qualitätsverbesserung legen, einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Wer ehrlich bestrebt ist, die Lebensqualität für Hunde (und Hundehalter) in dieser Stadt zu verbessern, wird sich unserer vollen Unterstützung sicher sein können.

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