Gestern Abend folgte ich einer Einladung der Friedrich Naumann Stiftung zur 1. Berliner Rede zur Freiheit am Brandenburger Tor im Dresdner Bank Gebäude am Pariser Platz. Halten sollte diese Rede Prof. Dr. Dr. Udo di Fabio, Richter am Bundesverfassungsgericht.
Eine Rede unter diesem Titel könnte aktueller und brisanter nicht sein. Während gestern über eine Änderung des Grundgesetzes debattiert wurde, kommt insbesondere aus Kreisen CDU der Ruf nach immer weiter gehenden Einschränkungen der freiheitlichen Grundrechte nicht zum Schweigen.
Einige deutliche Worte in diese Richtung sprach dann auch Wolfgang Gerhard in der Begrüßung zur 1. Berliner Rede zur Freiheit. Er machte sich berechtigte Sorgen, daß vielen Menschen das Wort Freiheit nicht mehr als ein Achselzucken wert sei. „Aber:“, sagte Gerhard in seiner Rede, „Nicht der Staat gewährt den Bürgern gnädigerweise Freiheit, sondern die Bürger gewähren dem Staat Einschränkungen ihrer Freiheit zur Wahrung der Rechte aller“. Diese wesentliche Grundlage unseres Staates scheint auf Seiten der Bevölkerung und auch in der Politik immer mehr in Vergessenheit zu geraten.
Dabei ist gerade die Freiheit ein wichtiger Grundstein zur persönlichen Entfaltung eines jeden Bürgers. Das war auch der Tenor von Prof. di Fabios Rede. „Am Anfang steht das Urvertrauen in die eigene Kraft.“ Wie Robinson Crusoe müsse jeder Mensch für sich alleine ein Ziel und einen Weg suchen. Heute scheinen die Menschen jedoch viel zu schnell nach dem Staat zu rufen, wenn sie ihr Ziel nicht finden. Glück als selbstbestimmt zu verstehen und zugleich in einer Gemeinschaft zu suchen, dieser Doppelklang stehe am Anfang aller Erfahrung.
Mein Fazit: Die einleitende Rede von Wofgang Gerhard hat mir besser gefallen als der Hauptteil des Abends, die Rede von Prof. di Fabio. Gerhard hat klare Worte gesprochen und daran erinnert, warum Freiheit für uns so wichtig ist. Er scheute sich auch nicht, akute Gefahren für unsere Freiheit beim Namen zu nennen.
Prof. di Fabio war mit seiner Grundsatzrede wesentlich zurückhaltender. Sein sehr theoretischer Ansatz reflektierte eher die Vergangenheit. Mich hätte jedoch sehr interessiert, wie es um die Zukunft unserer Grundrechte bestellt ist. Da Prof. di Fabio als Richter am Bundesverfassungsgericht tätig ist, und damit die letzte Bastion um Kampf um die Freiheit, wäre er sicher dazu in der Lage gewesen, mal aufzuzeigen, in welche Richtung der Zug fährt.
Natürlich hätte ich auch mit ihm gerne ein paar Worte über vergangene Bundesverfassungsgerichtsentscheidungen zum Thema gefährliche Hunde, Hundesteuern etc. gewechselt. Aber der Anlass und der Rahmen des anschließenden Empfangs waren leider nicht ganz passend.
Etwas beunruhigend fand ich, daß das Durchschnittsalter der Gäste bei weit über 50 lag. Gibt es in der jüngeren Generation niemanden, der sich für das Thema interessiert?
Ausgleichen konnte das alles der imposante Ausblick von der Dachterasse des Dresdner Bank Gebäudes auf die Quadriga auf dem Brandenburger Tor und dem Pariser Platz. Überrascht war ich auch, als ich erfuhr, daß mein Begleiter die Enkel von Friedrich Naumann persönlich kannte.
Die 1. Berliner Rede zur Freiheit sollte Auftakt zu einer Reihe von Reden zum Thema Freiheit sein. Ich hoffe, daß es mehr solcher Veranstaltungen geben wird. Ich hoffe auch, daß diese nicht zu einer PR Show für die FDP werden, sondern echte Wegweiser für unsere Gesellschaft.